Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 5 (5.1906)
- Date
- 1906-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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S2 No. 5 die neben dem systematischen Gerateturnen ihren Platz im modernen Turnbetriebe einnehmen müsste. Der wesentlichste Vorteil, den uns Spiel und volkstümliche Übungen bieten, ist der, dass sie im Freien in leichter Kleidung oder — wenn angängig — unbekleidet vorgenommen werden können. Leider ist das Verständnis von der Bedeutung derartiger Fragen, die tief in die Volksgesundheit einschneiden, noch so gering, dass sich z. B. die Berliner Stadtverordnetenversammlung der Errichtung öffentlicher Lichtluftbader fremd gegenüber stellte, so dass private Unternehmungen diese für das Volkswohl so wichtige Anlage gründen und unterhalten müssen; ich bin im vorigen Jahrgange dieser Zeitschrift ausführlicher auf diese Frage eingegangen. Verf. verlangt, dass tägliche körperliche Übungen in dem Stundenplan der Schule festgelegt werden, und verspricht sich davon, dass damit die Klagen von der „Überbürdung" bald verstummen würden. Nicht nur mit dem Weglassen einer Menge unnützen Hirnballastes dürfen wir uns zufrieden geben — wir müssen vielmehr auf die Vermehrung der Stunden, die der leiblichen Entwickelung gewidmet sein sollen, mit allem Nachdruck dringen. Systematische Abwechslung von körperlicher und jetziger Tätigkeit sind ein Haupterfordernis gedeihlicher Entwickelung besonders in den Jahren der Reife. „Nur diejenige körperliche Übung", sagt Z., „welche täglich so und so oft wiederholt wird, wird automatisch ausgeführt und gestaltet sich somit zu einer rein körperlichen, das Denkvermögen nicht in Anspruch nehmenden groben mechanischen Arbeit. Doch halte ich es für dringend geboten, dass die Jugend nicht zweimal wöchentlich, sondern täglich zweimal je eine halbe Stunde systematische körperliche Übungen ausführen soll." Die Übungen sollen einfach sein, aber doch den ganzen Körper in Anspruch nehmen. Ich halte den Grundgedanken dieser Ausführungen für wert, an zuständiger Stelle einer Diskussion unterzogen zu werden, obwohl ich auch glaube, dass Stimmung für diese Neuerung vorhanden wäre; sie müsste modifiziert mit dem Geräteturnen und Spielen verbunden werden. So ganz neu ist der Gedanke einer täglich mehrmals wiederholten kurzen turnerischen Übung übrigens nicht. Wie die deutsche Turnzeitung (Nr.46,1903) mitteilt, wird seit einiger Zeit in den Elementarschulen New Yorks während der Unterrichtsstunden ein dreimal täglich wiederholtes „Zwei-Minuten- Turnen" vorgenommen, um schlechter Haltung der Kinder nach langem Sitzen vorzubeugen. Es sind einige einfache Freiübungen, die sich als sehr wohltätig erwiesen haben sollen. Auch von deutschen Volksschullehrern wird diese Methode bei kleineren Schülern schon lange angewendet — wenn auch ohne behördliche Anordnung. Weiter empfiehlt Z. bei schwächlichen Personen Massage und Widerstandsbewegungen, da diese Übungen keine geistige Anstrengung erfordern, die übende oder vielmehr „geübte" Person sich vielmehr meist völlig passiv verhält oder nur automatische Bewegungen ausführt. Soll eine besondere Leistungsfähigkeit erreicht werden, so tritt der Sport in seihe Rechte, bei dem es hauptsächlich auf Übung, auf Gewöhnung an eine bestimmte Tätigkeit ankommt. Die Leistungsfähigkeit zu steigern, ist die Massage in hohem Grade geeignet, wie sich leicht an Experimenten mit mechanischen Kraftlcistungen zeigen lösst. Auch die Steifigkeit der