Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 4 (4.1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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62 No. 4 behaupten wollen, dass die Juden in Bayern nicht imstande seien, bei gutem Willen eine ebenso zahlreiche Nachkommenschaft in die Welt zu setzen, wie diejenigen in Russland. Bezüglich der Morbidität liegt uns für Russland nur beschränktes statistisches Material vor. Die New Yorker Tuberculosestatistik der Jahre 1885—90 zeigt, dass die Juden mit einer Tuberculose-Sterblichkeit von 98,21 %ooo günstiger dastehen als alle anderen Bevölkerungsschichten, unter welchen die Irländer mit 645,78 und die Neger mit 744,40 den schlechtesten Platz einnehmen. Aus der von R u p p i n zusammengestellten Statistik der Gebrechlichen (Stumme, Taubstumme, Blinde, Geisteskranke) entnehme ich, dass einer Quote von 2%o Blinde für die Gesamtbevölkerung Russlands 1 %o jüdische Blinde gegenüberstehen. Von 10 000 Juden sind 9,31 taubstumm, dagegen von ebensovielen Deutschen in Russland 10,06; von ebensovielen Russen 10,70; Polen 11,28; Littauern und Letten 11,30. Die Zahl der Stummen unter den Juden ist grösser als bei den anderen Nationen, nämlich unter 10 000 3,52, gegenüber 2,36 bei den Deutschen, 2,58 Polen, 2,72 Russen, "3,03 Littauern und Letten. Aber Ruppin bemerkt dazu sehr richtig: „Es ist aber hier wie bei den Gebrechen überhaupt nicht ausser Acht zu lassen, dass die Säuglingssterblichkeit bei den Juden viel geringer ist als bei sämtlichen anderen Nationalitäten. Dies deutet darauf hin, dass die nichtjüdischen Neugeborenen eine schlechtere Pflege erhalten als die jüdischen. Bei den mit einem Gebrechen behafteten Kindern dürfte dieser Umstand besonders stark einwirken, so dass, selbst wenn der Prozentsatz der stumm Geborenen bei Juden und Christen gleich wäre, doch der Prozentsatz der erwachsenen Stummen bei den Juden grösser sein würde, weil bei ihnen eben ein geringerer Prozentsatz im Kindesalter verstirbt." Geisteskranke wurden gezählt auf je 10 000: Polen 8,51, Russen 9,54, Juden 9,84, Letten und Littauer 18,75, Deutsche 15,04, Gesamtbevölkerung 9,35. Aus dieser Statistik ist ersichtlich, dass nur eine minimal' Differenz zwischen der Anzahl der Geisteskranken bei Juden und Russen zu Ungunsten der ersteren besteht, ein Unterschied, der vielleicht in der Statistik eines anderen Jahres überhaupt nicht existiert; dass dagegen die Deutschen in viel stärkerem Masse »1* die Juden von Geisteskrankheiten befallen werden. R u p p i ° nimmt m. E. mit vollem Recht an, dass „das Wohnen in Städten