Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 4 (4.1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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60 No. 4 traurigen ökonomischen Verhältnissen begründet sein. Auch wenn hier der Mangel an sportfähigen Menschen mit schuld sein sollte, würde das ein individueller Fehler dieser unter mangelnden Existenzbedingungen vegetierenden Generation sein, ohne dass sich daraus ein Schluss auf das Volk als solches ziehen Hesse. Das körperliche Kapital ist hier so gut vorhanden wie in dem glücklicheren Teile des jüdischen Volkes, nur ist es schlecht angelegt; anders investiert, wird es so zinstragend sein wie dieses. — Unter den Artisten findet sich ein ausserordentlich hoher Prozentsatz von Juden. Dieser Umstand spricht auch nicht für mangelhafte körperliche Beanlagung. — Ich möchte deshalb mein Urteil über die Körperentwicklung bei den Juden dahin zusammenfassen, dass das körperliche Material ein mindestens hinter dem der anderen Völker nicht zurücktretendes, vielleicht sogar ein ihm überlegenes ist. Vorhandene Differenzen sind nicht als Mängel des Volkes, sondern als solche einzelner durch äussere Verhältnisse ungünstig beeinflusster Individuen zu betrachten. — Einen sehr guten Massstab für die Beurteilung der Superiorität oder Inferiorität eines Volkes bietet seine Resistenz gegen Krankheiten. Bei der grossen Zahl von Eintrittspforten für Krankheitserreger in unseren Körper und der Mannigfaltigkeit der Probibitiv- und Verteidigungsmittel kann man im allgemeinen von einem zweckmässiger oder kräftiger organisierten Körper sprechen, wenn dieser weniger häufig von Krankheiten befallen wird oder weniger häufig Krankheiten unterliegt. Auch wird man einen Menschen, welcher ceteris paribus ein höheres Alter erreicht als ein anderer, als kräftiger bezeichnen dürfen. — Da zeigt es sich denn, dass die Juden eine ganz ausserordentlich günstige Mortalitätsziffer aufweisen. Selbst unter Verhältnissen, wie sie unhygienischer nicht zu denken sind, bei mangelhaftester Ernährung, in den schmutzigsten, engsten Schlupfwinkeln, zeigt das jüdische Volk eine Lebenskraft, die den Neid der anderen Völker wachrufen muss. Wenn wir absehen v°n den Pogromzeiten, in denen Hunderte und Tausende niederträchtig ermordet oder zu Krüppeln geschlagen wurden, stellt sich die Mortalitätsziffer der Juden günstiger als die aller anderen Nationen des russischen Reiches. Im Jahre 1898 z.B. kamen nach Rupp1" auf 1000 Einwohner bei den Juden 17,78 Todesfälle, dagegen bei den Christlich - Orthodoxen (d. i. die Hauptmasse des russischen Volkes) 36,49, also mehr als doppelt so viele. Insbesondere ist die Säuglingssterblichkeit bei den Juden geringer als bei anderen