Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 4 (4.1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4 59 der Turaerschaft die Mittel dazu augenblicklich nicht flüssig hat. — Es sollen nur einige wichtige Punkte erörtert werden, und ich werde, so weit mir Material zur Verfügung steht, die Statistik sprechen lasseh. Gerade auf dem Gebiete der vergleichenden Anthropologie macht sich der laienhafte Dilettantismus in unangenehmer Weise breit. Mit Schlagworten, Ansichten und dem »gesunden Menschenverstand" werden von nichts weniger als autoritativer Seite haarsträubende Theorien aufgestellt, die vor der messenden und zählenden Kritik wie Seifehblasen zerplatzen. — Die Körpergrösse der Juden ist zumeist geringer als die der umwohnenden Völker. Aber die Körpergrösse hat an sich mit der Vollkommenheit oder Unvollkommenheit nichts zu tun. Für die harmonische und zweckmässige Entwicklung des Körpers (diese Kriterien für die Vollkommenheit brauche ich nach Waldeyer) können wir die Militärstatistiken heranziehen. Fast überall stellen die Juden einen ihrem Bevölkerungsanteil entsprechenden Prozentsatz von Soldaten. Wo das nicht der Fall ist, sind die traurigen sozialen und hygienischen Verhältnisse schuld, unter denen die Juden dort leben (einige Districte Galiziens und des russischen Ansiedlungsrayons). Selbstverständlich ist dieser Umstand für die Beantwortung unserer Frage irrelevant. Man kann jeden Organismus durch ungenügende Ernährung und schlechte Entwicklungsbedingungen in seiner Entfaltung hemmen. Diese Hemmung bezieht sich aber nur auf das Individium, nicht auf dessen Nachkommen. Gelangen diese in bessere Verhältnisse, so zeigen sie die gleiche Entwicklung wie die Nachkommen vollentwickelter Eltern. — Auf die Entwicklung aller einzelnen Organe kann ich hier natürlich nicht eingehen, weil zum grössten Teil die statistischen Unterlagen fehlen. Für eine exakte Vergleichung wäre die Prüfung der Zusammensetzung der Verdauungssäfte oder des Athemvolumens ebenso wichtig, wie diejenige der Muskel- und Geistesfunktionen. D» auf diese Einzelpunkte gerichtetes Zahlenmaterial aber nicht existiert, müssen wir zur indirekten Statistik greifen. Da möchte icQ denn bezüglich der Entwicklung des Muskelsystems auf die zahlreichen jüdischen Turner, Schwimmer, Ruderer, Fechter, Athleten hinweisen, welche zum grössten Teile in nicht-jüdischen Vereinen das Ansehen fremder Völker heben. Ihre Zahl ist besonders in den Ländern, in welchen die Juden relativ gute Existenzbedingungen haben, weit grösser als ihrer Bevölkerungsquote entspricht. Dass ln» Ansiedlungsrayon der Sport nicht gepflegt wird, dürfte in den