Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 4 (4.1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4 Fahrt in eine fremde Stadt zu gewinnen sind, die. dann aber auch Wert darauf legen, dass sie durch ihre Leistungen für ihren Verein Ehre einlegen. Über den Verlauf des Stettiner Schauturnens im Einzelnen und über den Eindruck, den es auf beiden Seiten hinterlassen hat, mögen die nachfolgenden beiden Berichte aus Stettin und aus Berlin unsere Leser unterrichten; Brief aus Berlin. Die Geschichte der jüdischen Turnbewegung weiss viel von mühseliger Kleinarbeit, hartnäckigen Kämpfen und feindlichen Strömungen zu berichten, und spärlich gesät sind die grossen Momente, die uns aus dem alltäglichen Vereinsleben herausheben. Ein Tag, würdig, seiner mit freudigem Stolze als Zeuge eines glänzenden Erfolges der „Jüdischen Turnerschaft" zu gedenken, war jener Märzsonntag, an dem zwei unserer Bundesvereine in treuer Kameradschaft der Stettiner Bevölkerung nicht nur unsere Existenz, sondern auch wackere Fortschritte offenbarten. Bedarf es noch eines Beweises für die Stärke des Bandes, das die nationale Turnidee um uns schlingt, wenn 35 Berliner Turner, die Elite des „Bar Kochba", mit freudigster Bereitwilligkeit dem Bruderverein ihre Kräfte für. ein Propagandaturnen zur Verfügung stellen? Die christliche Lokalpresse, aus der die Crime der Stettiner Judenheit mit gemischten Gefühlen ersehen haben mag, das« wir trotz ihres wütenden Pereat langsam, aber sicher unsern Weg verfolgen, widmet unsern turnerischen Leistungen Worte ehrender Anerkennung; für uns gilt es aber, die Erreichung eines weit schöneren Zieles zu proklamieren, und das ist die starke Solidarität, die uns, wie nie zuvor, an diesem Tage erfüllte und einen tiefen Eindruck hüben und drüben hinterlassen musste. Alle für einen, einer für alle, das war der Grundton, der uns harmonisch entgegenklang, als wir Schulter an Schulter mit den uns eben noch fremden Stammesbrüdern in den Turnsaal marschierten. Das uneingeschränkte Lob, das uns von fachmännischer Seite gespendet wurde, krönte den Beifall der zahlreichen Zuschauer, unter denen fast alle „Spitzen" der jüdischen Gemeinde durch Abwesenheit glänzten. Wir wollten die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf den jungen Bruderverein lenken, der nicht nur bei seiner Gründung, sondern auchin seiner Entwicklung von unsern „Glaubensgenossen" scharf bekämpft und in der erdenklichsten Weise gehemmt wurde. Wenn er es dennoch auf 50 Mitglieder mit einer Altersriege gebracht hatte und am Tage des Schauturnens 28 Neumeldungen verzeichnen konnte, so lag es an dem frisch-fröhlichen Turnergeist, der ihn durchweht und der in den Familien der Turner, besonders aber