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Jüdische Turnzeitung · 1906-03-01 · 3 (3.1906) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
7 (1906)
Issue
3 (3.1906)
Date
1906-03-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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42 No. 3 von diesem Standpunkt aus auf Kischinew zu reagieren wussten. Ihnen war jene tiefe nationale Entrüstung fremd. Sie sahen in den Exzessen nichts als wieder einmal ein Mittel in den Händen der russischen Regierung zur Hemmung der vordringenden Freiheitsbewegung. Sie waren aber russische Revolutionäre und als solche glaubten sie nicht ertragen zu dürfen, was man ihnen da als neuestes Hindernis in den Weg warf. „Als Revolutionäre gegen die Pogrom-Politik der Regierung kämpfen, gegen alles, was den wahren Sinn der politischen Dinge verdunkelt." So lautete ihre Begründung für die Notwendigkeit der Selbstwehr. Nicht eine leise Andeutung über den jüdischen Charakter der Pogrome liegt in diesem Ruf, nicht ein Schatten der Empörung von Seiten eben der Menschen, die man so frech verhöhnt hat! — Nach Kischinew gab Hornel endgültige Klarheit über den wahren Sinn der Pogrome. Von der Regierung ging nicht nur die Initiative, sondern auch die Organisation und die Durchführung aus. Das Judentum sah, welch furchtbaren unzerstörbaren Feind es vor sich hatte. Aber das Bewusstsein der Winzigkeit der eigenen Kräfte im Vergleich mit den Mitteln, die dem herannahenden Koloss zur Verfügung standen, schwächten trotzdem die revolutionäre Energie der Organisatoren der Selbstwehr nicht ab, sondern beeinflusste noch wohltuend ihre Umsetzung ins Leben. Die Ansichten der Gemässigten über die Samobarona als ein Mittel zur Verkleinerung der Opfer, verloren den Boden unter ihren Füssen. Und als die Wirklichkeit — während der Reservisten-Pogrome im Westen (Ende 1904) — bewies, dass es der jüdischen Jungmannschaft gelungen war, einige Stadtteile gegen den Mob erfolgreich zu verteidigen, da war das nur ein neues Plus, das zu der Hauptbedeutung hinzukam, die die Idee der Selbwehr in den Augen der Juden gewonnen hatte. Die revolutionären Nationalisten, die die Organisation der Samobarona als eine Institution des geschlossenen Schutzes der getretenen nationalen Rechte erklärten, gewannen immer mehr Einfluss in den Massen. Ihr Ruf war der Ruf, der der wirklichen Stimmung der Massen anwortete, in denen das nationale Selbstbewusstsein erwacht war. Die Selbstwehr verlor ganz ihren vorbeugenden Charakter und verwandelte sich in eine furchtgebietende Waffe, mit der die Judenheit ihr Daseinsrecht zu verteidigen beschloss. Fast schien eine gewisse Evolution in diesem Sinne sich auch bei jenen zu vollziehen, die

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