Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 3 (3.1906)
- Date
- 1906-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3 41 revolutionär gestimmte Menschen, aber solche, deren Revolutionismus nicht bedingt war durch eine zufällige. Existenz so oder so bestimmter politischer Bedingungen, sondern durch die allgemeine abnorme Lage des ganzen jüdischen Volkes überhaupt. Ihr Revolutionismus wurzelte in dem Bewusstsein des allgemeinen tragischen Zustandes der Juden, der nur besonders in Russland solche quälende Formen annahm. Das waren die nationalen Revolutionäre, die alle dunkleren Seiten des -jüdischen Lebens gleich stark empfanden, und die alle Ketten zu zerreissen strebten, die das jüdische Leben in allen seinen Erscheinungen fesselten. Für sie war Kischinew nur ein greller Blitz, der plötzlich die unzähligen tragischen Seiten unseres Goluslebens beleuchtete. In ihm konzentrierte sich, wie in einem schrecklichen Brennpunkt, unsere bodenlose Unorganisiertheit, die absolute Abwesenheit jeder Solidarität. Mit entsetzten Augen sahen sie die ganze Zerfahrenheit und Verlorenheit, in die dieses furchtbare Ereignis das Judentum als Gesamtheit stürzte. Ein tieffressendes Gefühl der Beleidigung über die mit Füssen getretene nationale Würde bemächtigte sich ihrer. Ihr weiter Blick ergab sich aus dem tiefen Verständnis der jüdischen Wirklichkeit und prophezeite ihnen, dass Kischinew nur eine Ankündigung noch schwererer Stürme sei, dass die Frechheit, mit der dieses Blutbad vor sich ging, in vielem von dem Grade der Geducktheit abhing, in der das Judentum bis dahin verharrte. Sie begriffen, dass die weitere Passivität der Juden mit noch grösseren Schrecknissen drohen musste. Es stand ihnen fest: nur. dann kann das elende Schicksal der Juden, Blitzableiter zu sein für alles Unerwünschte und Sündenbock für aller und jedes Missetaten, ein Ende finden, wenn von Seiten des gesamten Judentums ein gehöriger Widerstand eröffnet wird gegen alle Verhöhnungen unserer nationalen Ehre — wenn die Initiatoren der Pogroms es nicht mehr mit zerstückelten Einheiten, sondern mit einem kompakt organisiertem Ganzen zu tun hat. „Organisation für unser nationales Recht, dass jetzt so grausam getreten wird! Gegen die Vergewaltigung, die uns als Juden trifft! Im Namen der Ehre, unseres Ichs, Zusammenschluss! und Widerstand bis zum letzten Atemzug!" — Das war der Ruf zum aktiven Kampf Segen das — herannahende Uebel, Der charakteristische Zug der dritten Strömung ist, dass seine Anhänger die einzige Ursache der Pogrome lediglich in den momentanen politischen Bedingungen Busslands sehen, und nur