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Jüdische Turnzeitung · 1906-01-01 · 1/2 (1.1906) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
7 (1906)
Issue
1/2 (1.1906)
Date
1906-01-01
Page
[Seite] (sequence 28)
Language
German
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No. 1/2 zur Förderung allgemein jüdischen Lebens auf bewusst jüdischer Grundlage. Der Verein lehnt nach demselben Paragraphen jede religiöse und politische Tendenz ab." Die Stadtverordnetenversammlung ging über das Gesuch fast einstimmig zur Tagesordnung über. Der Referent begründete das u. a. folgendermassen: In der Petition findet sich als § 1 der Satzungen angegeben, dass der Verein „die möglichst weite Verbreitung des Turnens unter den Juden als Mittel zur Förderung allgemein jüdischen Lebens auf bewusst jüdischer Grundlage" erstrebe, aber „religiöse und politische Tendenzen ablehne". Man weiss nicht, wie dieser Nachsatz sich mit dem ersten Passus vertragt. Es ist doch fraglich ein Widerspruch. Und was heisst eigentlich „bewusst jüdische Grundlage?" Gibt es denn überhaupt ein christliches oder jüdisches Turnen? Das Turnen ist Gemeingut aller zivilisierten Nationen und unabhängig von der Konfession des einzelnen. In der Petition wird ferner behauptet, massgebend für die Gründung sei gewesen, dass eine grosse Anzahl von Juden in die vorhandenen Vereine aus den verschiedensten Gründen nicht eintrete. Ja, warum denn nicht? Unsere Turnvereine nehmen jeden anstandigen Menschen, der sich ihren Satzungen unterwirft, auf, ohne nach seiner Religion zu fragen. Die beiden hiesigen Turnvereine, sowohl der Mannerturnverein als auch der Turnklub haben eine erhebliche Anzahl jüdischer Mitglieder, und noch nie hat etwas verlautet von einer ungleichen Behandlung der Mitglieder je nach ihrer Konfession. Wenn nun aber in unseren Turnvereinen konfessionelle Intoleranz zu keiner Zeit in die Erscheinung getreten ist. welchem Zweck dient dann die Begründung eines konfessionellen jüdischen Turnvereins, wenn er, wie er doch behauptet, keine religiöse Tendenz verfolgt? Wenn die Petition eine Reihe von Städten aufführt (Berlin, Köln. Hannover, München, Posen, Stettin. Wien), in denen jüdische Turnvereine bestehen, so dürften in allen diesen Städten oder doch in den meisten von ihnen die Verhältnisse nach konfessioneller Richtung anders liegen als bei uns. Wir hier in Königsberg würden mit der Unterstützung eines solchen Vereins e'nen Fehler begehen. Unserer städtischen Verwaltung liegt es nicht ob, eine Trennung von Vereinen nach konfessionellen Grundsätzen zu unterstützen, sie muss es im Gegenteil unbedingt vermeiden, einen Präzedenzfa" zu schaffen. In unserem lieben Königsberg, der „Stadt der reinen Vernunft", leben die Bekenner der verschiedenen Konfessionen in vollstem r'eden und in vollster Eintracht mit und neben einander, und wenn es, w'e gestern in der Abteilung zur Empfehlung der Petition betont wurde, h'er doch noch Korporationen gibt, die Juden ausschliessen, so ist das ein Reichen kulturellen Mankos, das wir um so mehr beklagen, als unsere S'ädtische Verwaltung die Eintracht der gesamten Bürgerschaft mit allen Kräften zu wahren bestrebt ist. Die Abteilung beantragt infolgedessen: In "Wägung, dass dem Eintritt der Mitglieder des jüdischen Turnvereins in >6 hier bestehenden Männerturnvereine nichts entgegensteht, dass die Begründung eines konfessionellen Turnvereines nicht geeignet ist, das hier estehende Einvernehmen der verschiedenen Konfessionen zu fördern. erner um keinen Präzedenzfall zu schaffen, geht die Stadtverordnetenersammlung Uber diese Petition zur Tagesordnung über." Den Lesern der „Jüdischen Turnzeitung" ist dieser ganze Salm von

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