Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 1/2 (1.1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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26 No. 1/2 Argumentation nicht unbekannt. Wir haben ihn zum Erbrechen ort gehört. Natürlich ist die Behandlung der jüdischen Mitglieder in den christlichen Vereinen ideal! Natürlich ist die jüdische Gründung eine Geburt konfessioneller Intoleranz, natürlich ein Zeichen kulturellen Mankos, demgegenüber die reinrassig arischen Vereine nur so von kulturellem Glänze triefen! Dass eine wohlweise Stadtverordneten-Versammlung, in der sich „repräsentative" Grossjuden befinden, nicht begreifen kann, was „bewusst jüdisch" bedeutet, ohne politisch-religiöse Verhetzung zu enthalten, ist auch nichts Neues. Es muss eben noch eine kleine Weile dauern, bis es vor allem unseren Juden klar wird, dass die jüdische Turnbewegung aus dem Stammes bewusstsein, aus nationaler Gesinnung herauswachst, die friedlich ist, weil sie nur Freiheit für ihr Eigenleben, nicht Unterdrückung einer fremden Eigenart bedeutet. Wir werden es noch lange wiederholen müssen, dass „ein jüdisches Turnen" indertat nicht existiert, dass aber ein gemeinsames Turnen von Juden zum Zwecke der körperlichen Regeneration und des seelischen Zusammenschlusses der Judenheit eine Sache von höchster kultureller Bedeutung ist, für die wir uns durchaus nicht zu verteidigen haben, sondern auf die wir stolz sind, wie auf jede neue köstliche fruchttragende Wahrheit. Wir werden trotz aller Ablehnungen von Magistraten und Stadtverordneten - Versammlungen und trotz aller hinterhältigen unjüdischen Machinationen an ihr festhalten und sie pflegen. Unser wackerer Königsberger Bruderverein denkt auch garnicht daran, in seiner Arbeit zu ermüden. Da ein anderer Turnsaal, privat oder öffentlich, nicht aufzutreiben ist, wird er es versuchen, einen Radfahrsaal z" mieten und sich eigene Turngeräte anzuschaffen. — Wir wünschen den braven Kämpfern für unsere Sache den besten Erfolg. Die „Deutsche Tara-Zeitung" nimmt in ihrer No. 3 Veranlassung zu folgenden Bemerkungen, denen tie den Titel „GeschmackloseReklame" voransetzt: „Wer den besten Schutz der persönlichen Sicherheit in der Selbstverteidigung erblickt, der — trete dem I. Wiener Jodischen Turnverein bei", so steht zu lesen auf Wiener Plakaten. Das ist sonst die Hauptsache bei ' ...-nvereinen nicht. Der betreffende Turnverein muss einen merkwürdigen Uebunj" ctrieb haben, wenn er auf den veröffentlichten Zweck zugeschnitten ist." Die gleiche Anrempelung, nur in ihrer pöbelhafteren, reinrassig antisemitische» Weise, untermischt mit einigen schielenden Kalauern Ober Nationaljudentum und Zionismus, leistet sich auch die „Deutschösterreichische Turnzeitung*. Wir erlauben nns, unseren gutgläubigen und nicht gutgläubigen Kolleginnen — nicht zu ihrer Aufklarung, sondern zu der unserer Leser — mit einigen Daten aufzuwarten: Vor etlichen Wochen beliebte es Herrn Lueger, Oberbürgermeister von Wien, in einer Versammlung folgende Worte an die Adresse der Juden zu richten: „In der letzten Zeit ist nnn einzelnen russischen Volkskreisen eingefallen, dass das, was die Juden und ihre Verbündeten, die Revolutionire, in RuMland treiben, doch etwas zu stark ist, und so entstanden plötzlich die sogenannten Judenhetzen und Judenverfolgungen. Ich warne speziell die Juden in Wien, nicht auch so weit zu gehen wie ihre Glanbensgenossen in Russland, und sich nicht allzusehr mit den sozialdemokratischen Revolutionaren einzulassen. Ich warne die