Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 1/2 (1.1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 1/2 bietet, die dazu bestimmt sein sollte, neue gemeinsame, starke Volkstaten zu gebären — die Hoffnung, in absehbarer Zeit eine Einheit sich herstellen zu sehen, ist doch begründet. Selbst Plechanow sieht es, dass der „Bund" immer nationaler wird und werden muss, die jüdischen Sozialrevolutionäre sympatisieren schon lange mit den Poalei-Zion, und so ist ein Verschmelzungsprozess nicht undenkbar. Für unsere Volkskraft wBre das ein herrlicher Gewinn. Und wenn der Plan der „Jüdischen Turnerschaft". der der Brüsseler Konferenz zuging, vermöge seines friedlichen und parteilosen, wie für alle gleich eminent wichtigen Charakters etwa dazu verhelfen wird, die ersehnte Einigkeit in der russisch-jüdischen Jugend herzustellen, wird unsere Genugtuung eine herrliche sein. „Noch ist unsere Hoffnung nicht verloren." Vermischtes. In Königsberg i. Pr. ist wieder einmal die bedrohte Kultur gegen einen jüdischen Turnverein gerettet worden! Schon seit der Gründung dieses „gefahrlichen" Vereins hatte furchtbare Aufregung allenthalben geherrscht. Horribile dictu: ein jüdischer Turnverein! Natürlich wieder allen anderen voran unsere Juden — tobten. Man zitterte vor Wut und spie Feuer und Flamme. Sogar ein öffentlicher Protest des Gemeinde- Vorstandes und der Repräsentanz gegen das Schreckgespenst ward ernstlich erwogen. Zu ewigem Schaden für die Komödien-Dichtung wurde dieser Protest verhütet. Desto besser wurde von unseren tapferen Muss-Juden hinter den Kulissen fortgearbeitet. Ein Antrag des Vereins an den Magistrat um Ueberlassung einer stadtischen Turnhalle wurde nach fünf Wochen abgelehnt, unter ausdrücklichem Beschluss keine Gründe mitzuteilen. Drei jüdische Stadtröte, darunter der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde und ein anderes Vorstandsmitglied, hüllten sich dem Verein gegenüber in beredtestes Schweigen. Es gelang schliesslich die Gründe der Ablehnung vom Oberbürgermeister persönlich zu erfahren. „Der Verein verfolge politisch-religiöse Zwecke, der Frieden der Bevölkerung würde gestört" usw. usw. die alte Leier; in dieser Ueberzeugung blieb er felsenfest. Ein nochmaliger Antrag an den Magistrat wurde mit gleicher Unentwegtheit ebenfalls ohne Angabe der Gründe abgelehnt. Diesmal aber lautete die persönliche Aufklarung: der Verein sei überflüssig. Auf Anraten eines jüdischen Stadtverordneten wurde nunmehr an die Stadtverordnetenversammlung petitioniert. Das Resultat blieb das Gleiche! Interessant war diesmal die Begründung, die zu der fast einstimmigen Ablehnung führte. — Wir entnehmen die diesbezüglichen Ausführungen dem „interessanten" Berichte unserer alten Freundin und Gönnerin, der Deutschen Turnzeitung, die ihn mit einer begreiflichen hämischen Wonne registriert. Sic schreibt: „In der Begründung des Gesuches war unter anderem angeführt, dass der Im September vorigen Jahres mit 110 Mitgliedern begründete „Jüdische Turnverein" nach § 1 seiner Satzungen bezwecke: „Die Pflege und möglichst weite Verbreitung des Turnens unter den Juden als Mittel