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Jüdische Turnzeitung · 1906-01-01 · 1/2 (1.1906) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
7 (1906)
Issue
1/2 (1.1906)
Date
1906-01-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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22 No. 1/2 n o t im nahenden Frühling Entsetzliches bringen mag! — Welche klägliche Rolle das „Europaische Gewissen" dem gegenüber spielte, ist hinlänglich bekannt. Umso wohltuender berührt die Art, wie sich das Gewissen eines als „asiatischen Despoten" verschrieenen Herrschers demgegenüber äussert. Der Sultan hat einer öffentlichen Sammlung zu Gunsten unserer russischen Brüder die Worte beigefügt: „An dieser Menschenpflicht wünsche ich mich zu beteiligen." — Welcher Gegensatz zu der Antwort des „liberalen" Witte an das Wiener Komitee, dass er sich ausserstande sehe, etwas für die russisch-jüdischen Flüchtlinge zu tunl Man muss schon bei den politischen Gentlemen Englands und Amerikas herumhorchen, will man so „türkischer" Gesinnung begegnen. Übrigens schützt auch die edle englische Art nicht davor, dass uns Juden auch von dorther einmal die Zähne gezeigt werden. Autentische Mitteilungen stellen fest, dass in den englischen Häfen die neuen Einwanderungsgesetze mit unerbitterlicher Strenge gehandhabt werden. So sollen neuerdings fast 60 pCt. (!) einer Auswanderergruppe zurückgewiesen worden sein. Unter solchen Umständen hatte die Brüsseler Konferenz eine ungeheure Verantwortung auf sich genommen, der — es sei klar heraus gesagt — die schliesslichen Resultate leider nicht entsprachen. Noch immer steht bei den nichtnationalen Gesellschaften unbegreiflicher Weise der Grundsatz fest, dass die Frage der russischen Juden in Russland selbst gelöst werden müsse — in einem Moment, wo ganz Russland einem lodernden Scheiterhaufen gleicht I So kam man zu keinen bestimmten Plänen, vor allem zu keinem bestimmten Ziel für die Auswanderung. Nichtsdestoweniger ist von der zum Zwecke der Herbeiführung einer allgemeinjüdischen Kooperation gewählten Kommission, wie aus der Resolution, die den Orient als Auswanderungsgebiet zu studieren vorschlägt, vielleicht Bedeutungsvolles für die Zukunft zu erwarten. Zu unserem Bedauern blieben die Vorschläge der Jüdischen Turne r.schaft, die auf Anregung und eifrige Propaganda unseres Gesinnungsgenossen Isidor Wolf von dem Ausschuss in vorbereitenden Sitzungen ausgearbeitet, in einem ausführlichen Memorandum der Konferenz vorlagen und von unserem Gesinnungsgenossen Prof. Werner aus Wien persönlich vertreten wurden, ohne Ergebnis bei der Konferenz. Hat so die Brüsseler Konferenz viele Hoffnungen enttäuscht, so fehlt es doch nicht an Tröstlichem in dieser schweren Zelt. Ein Symptomatisches, ein Erhebendes im gegenwärtigen Moment ist das unbestreitbare, uneindämmbare Aufflammen der j Udischnationalen Gesinnung allenthalben. In Russland hat sich der „Verband zur Erlangung gleicher Rechte für das jüdische Volk 'n Russland" gebildet, und seine Aufgabe ist: die bürgerlichen, politischen und nationalen Rechte der Juden in Ihrem vollen Umfange zu verwirklichen. Es ist die erste jüdische Organisation, die auf Ihre Fahne die F°rderU"f der nationalen Rechte neben die der bürgerlich-politischen geschrieben hat Unter nationalen Rechten versteht der Verband: „Di Freiheit der national-kulturellen Selbstbestimmung in allen ihren Formen, und zwar die auf eine brei

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