Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 1/2 (1.1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4921092-5965100-5965239--1499-4924354- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 12 9 zugleich ohne oder mit Belastung der Hände ausgeführt werden. Nach Art der Belastung heissen sie Stab-, Keulen- oder Hantelübungen. In welcher Weise die genannten Uebungsarten zum Zwecke einer allseitigen körperlichen Ausbildung des Turners abwechseln sollen, wird ein näheres Eingehen auf die einzelnen Gruppen zeigen. Bei den Geräteübungen unterscheidet man in erster Linie drei Arten: Hang-, Stütz- und Schwungübungen. Jeder Turner Weiss, dass durch jede dieser Gruppen an demselben Gerät oder an verschiedenen Geräten verschiedene Teile seines Körpers in Anspruch genommen werden. Will der Vorturner nach Kraft- Übungen die ermüdeten Arme ruhen lassen, so wird er Laufen oder Springen, also Beintätigkeiten wählen. Dieser Wechsel der Uebungen und Geräte soll nicht .zufällig, sondern vorhergesehen und geordnet sein. Dabei müssen natürlich auch jene Geräte berücksichtigt werden, die sich vielfach keiner besonderen Beliebtheit der Turnenden erfreuen, aber doch in der Eigentümlichkeit des Uebungsstoffes, den sie bieten, notwendig sind. Dass die Hauptgeräte in einem bestimmten Turnus öfter auftreten als die Nebengeräte, sagt schon die Benennung und ist zu einem gedeihlichen Fortschritte, der die Lust des Turnens erhöhen soll, sogar geboten. Neben dem Geräteturnen werden in unseren Vereinen auch die volkstümlichen Uebungen gepflegt. Erheischt das erstere 2u seinem Betriebe unter allen Umständen mehr oder weniger lehrhafte Unterweisung, so beruhen die letzteren zum überwiegenden Teile auf natürlicher Anlage. Deutlicher wie überall treten hier die Leistungen natürlicher Kraft und Gewandtheit zutage und weil diese Uebungen, öffentlich vorgeführt, die Aufmerksamkeit weiter volkskreise erregen, sind sie in der Tat volkstümlich; sie sind v°n jeher ein kräftiges Zugmittel gewesen. Da die volkstümlichen Hebungen hervorragenden turnerischen Wert besitzen, so ist es ei& wichtiges Erfordernis, ihren Betrieb mit dem Geräteturnen harmonisch zu verbinden. Wo diese beiden Turnarten nicht eng mit einander gepaart im Turnbetrieb auftreten, ist für jede eine Gefahr vorhanden: Das Turnen vorzugsweise an Geräten führt •eicht zum Gipfelturnen und Akrobatentum, das wir in der jüdischen Turnerschaft keineswegs bezwecken, ja geradezu bekämpfen müssen; ausschliesslicher oder hauptsächlicher Betrieb von Spannung-, Lauf-, ^gübungen u. a. ist der Anfang zum Athletentum und Sport, dessen Einseitigkeit hinreichend bekannt ist. Nur derjenige, welcher