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Jüdische Turnzeitung · 1906-01-01 · 1/2 (1.1906) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
7 (1906)
Issue
1/2 (1.1906)
Date
1906-01-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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No. 1/2 5 einerseits, andererseits den autonomen Territorien überliess. Wie konnte ein Deutscher in Böhmen, ein Tscheche in Mähren zur Befriedigung seiner nationalen Bedürfnisse kommen, wenn dort eine tschechische, hier eine deutsche Mehrheit den Landtag beherrschte? Wie konnten überhaupt die Völker im ruhigen Genüsse ihres nationalen Wesens bleiben, wenn ein jedes von ihnen davon abhing, ob es im Reichsparlament zur Mehrheit oder Minderheit gehörte, ob ihnen die Regierung gewogen war oder nicht? Allmählich fing man zu begreifen an: Die nationalen Angelegenheiten müssen aus dem Herrschaftsgebiet der politischen Gewalten entfernt und den Nationalitäten selbst übertragen, jede Nationalität als solche muss in ihrem Kulturkreise und für ihn selbstständig gemacht werden. Die Deutschen z. B. dürften mit ihren Kulturinteressen, namentlich also der Schule, nicht weiter v<m der Gnade irgend einer ihnen abholden Majorität abhängen. Ebenso aber auch nicht die Tschechen, Polen. Jede Nationalität muss sich als eine grosse Kulturgemeinschaft konstituieren, an der jeder Volksgenosse, jede nationale Gemeinde, gleichgiltig in welchem Kronlande, teilnimmt, und welcher der Staat die Befugnisse einer öffentlichrechtlichen Korporation, wie etwa heute den Religionsgenossenschaften, verleiht, welcher aber auch eine Vertretung in der gemeinsamen Regierung zugestanden werden muss. Das ist der Kern des Programmes der nationalen Autonomie. Um ihn schliessen sich noch einige sichernde Schalen, so vor allem eine auf dem Grundsatze nationaler Gleichberechtigung beruhende Gesetzgebung, was die Besetzung der Ämter und der Richterstellen betrifft, und schliesslich die nationenweise Wahl der Volksvertreter für die parlamentarischen Körperschaften. Diese (nationale Wahlkurie) gehört strenge genommen nicht mehr in den Gedankenkreis der nationalen Autonomie und findet daher auch unter deren Anhängern manche Gegner. Aber es lässt sich nicht verkennen, dass sie, indem sie jede Nation in Parteien spaltet, die Neutralisierung der Parlamente für nationale Fragen unterstützt. Ferner garantiert sie den schwächeren Nationalitäten für die Zeit vor Erlangung der nationalen Autonomie und in den ersten Zeiten ihrer Geltung, dh. so lange sie ihre beruhigende Wirkung auf die nationalen Leidenschaften noch nicht . voll ausübt, eine Vertretung der gefährdeten bürgerlichen und nationalen Interessen. Es ist nun kein Zufall, dass die österreichischen Juden ihre nationalen Ansprüche zunächst bezüglich der nationalen Wahlkurie

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