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Jüdische Turnzeitung · 1905-11-01 · 11 (11.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
11 (11.1905)
Date
1905-11-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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217 Bücher- und Zeitungsschau. Die Turnlehrer an den höheren Lehranstalten Preussens und der Geist des Turnlehreramts; von Dr. Edmund Neuendorff, Dirigent der städtischen Realschulen in Haspe i. Westf. Berlin, Weidmannsche Buchhandlung, 1905. 131 S. Ladenpreis 2,40 M. Die Turnliteratur zeichnet sich häufiger durch Gedankenflachheit und Langeweile aus. Wen nicht der Stoff interessiert, der wird nur selten ein turntechnisches oder turntheoretisches Buch lesen können. Es ist dies offenbar einer der Gründe, die es bewirken, dass der turnerische Gedanke in die Kreise der Intellektuellen so schwer Eingang findet. Eine wahre Freude ist es daher, wenn in der Wüste der Turnerschriften eine erquickende Oase auftaucht, ein Buch, dem man es vor allem anmerkt, dass hinter ihm eine jugendlich frische, kraftige Persönlichkeit steht. Eine solche Schrift haben wir in der vorliegenden gefunden. Der spröde Stoff der Abhandlung, der mangelhafte Zustand, in dem sich die Ausbildung der Turnlehrer für höhere Lehranstalten in Preussen befindet, hätte es entschuldbar gemacht, wenn nichts als eine trockene Zahlenzusammenstellung und einige Abhülfevorschläge zu Tage gefördert worden wären. Der Autor, der seine eigenen Gedanken denkt, hat es aber verstanden, tiefere Zusammenhänge aufzuzeigen, und aus ihnen im Anschluss an eine übersichtliche Darstellung der gegenwärtigen Verhältnisse seine Vorschläge zu entwickeln, wie eine Änderung herbeizuführen sei. Obwohl das Buch mit unseren Bestrebungen natürlich in keinerlei unmittelbarem Zusammenhang steht, schien es uns doch angezeigt, dasselbe hier zu besprechen und zur Lektüre zu empfehlen, weil es wegen einer grossen Reihe treffender allgemeiner Bemerkungen jedem, der in der turnerischen Arbeit steht, eine Fülle von Anregungen geben wird. Es ist hier nicht der Ort, auf Einzelheiten einzugehen, obgleich es z- B. sehr interessant wäre, den Gedankengängen zu folgen, in denen ausgeführt wird, wie das logisch aufs höchste durchgebildete Geräteturnen gerade in Deutschland, der „Heimat des Intellektualismus", seine Entwickelung gefunden hatte, wie dann aber die Einschränkung der strengen und scharfen Verstandesarbeit zugunsten einer freien Betätigung der vereinten Geisteskräfte das Erstarken der Spielbewegung bewirkte. Zum Schluss können wir es nicht unterlassen, die Worte herzusetzen, die Neuendorff über den allgemeinen Wert des Turnens sagt. Was er auf deutsche Schulen und Schüler bezieht, hat für uns seine volle Bedeutung. '"r jüdische Turnvereine und ihre Mitglieder, die ja zum grossen Teil in den Vereinen erst das Turnen lernen: »Wir brauchen eine Pädagogik [wir also einen Vereinsbetrieb], die "glichst allen Gelegenheit gibt, ihre Kräfte zu entwickeln und mit ihren Pfunden zu wuchern. So müssen auch im Turnen alle dahin gebracht Verden, dass sie turnerisch etwas leisten und mit der Freude über ihr Können immer neue Freude an frischer Regsamkeit und gesunder Bewegung erwerben. Das umsomehr, weil die turnerische Leistung an sich wertvoll ist. Nicht freilich für die Marktbedürfnisse des Lebens. In unserem Zeitalter der Maschinen, dem hoffentlich noch recht lange der Frieden er-

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