Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 11 (11.1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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216 No. 11 Das zweite Motiv, welches den meisten Reden zu Grunde lag, bezog sich darauf, wie es die deutschen Turner in Amerika verstanden, trotz aller Anhänglichkeit zum alten Vaterlande und eifriger Pflege deutschen Wesens doch zugleich auch ihren Pflichten gegen die neue Heimat und ihren Aufgaben als amerikanische Staatsbürger gerecht zu werden. ..... Mit berechtigtem Stolze durfte der erste Bundessprecher und Ehrenpräsident dem Nordamerikanischen Turnerbund das Zeugnis geben: „Es gibt keine Organisation, die unserem Lande in den Zeiten der Not grössere, wertvollere Dienste geleistet hat, als der Nordamerikanische Turnerbund. Es gibt keine Organisation, die aufrichtigere Republikaner und bessere Amerikaner in sich schliesst, als der Nordamerikanische Turnerbund. Es gibt keine Organisation, die an den Lehren der Unabhängigkeitserklärung fester hält, als der Nordamerikanische Turnerbund, und mit einem gewissen Stolze setzen wir hinzu, es gibt keine Organisation, die trotz einer 55 jährigen Existenz mehr deutsch geblieben ist, als die unserige, deutsch in dem Sinne, dass wir die Liebe zum deutschen Volke tief in unseren Herzen tragen." Auch amerikanischerseits weiss man es wohl zu würdigen, was das deutsche Element für das Emporblühen der Vereinigten Staaten geleistet hat. In ehrender Weise bezeichnet man speziell die Männer der politisch bewegten Zeit 1848 - 50 als den Sauerteig und die beste Klasse von Einwanderern, welche auf die geistige, sittliche und kulturelle Hebung und Förderung des amerikanischen Volkslebens von weitgehendem Einflüsse waren. Aus diesen aber gingen die Begründer des Nordamerikanischen Turnerbundes hervor, der schon nach einem Jahrzehnt die Feuertaufe empfangen und die Probe auf seinen inneren Gehalt und seine äussere Leistungsfähigkeit in so glänzender Weise bestehen sollte. „Nirgends," so sprach der englisch redende Vertreter des erkrankten Bürgermeisters von Indianapolis, „wird mehr Patriotismus gefunden o\s unter unseren deutschen Mitbürgern. Als unser Land sie gebraucht und nach ihnen rief, waren sie sofort bereit, und auf jedem Schlachtfeld konnten Deutsche gefunden werden, kämpfend für die Union» und zur Ehre der Turnvereine muss es gesagt werden, dass viele aus ihren Reihen sich für die Sache der Freiheit und den Bestand der Union opferten." In glänzendster Weise finden wir also den von uns immer vertretenen Standpunkt gerechtfertigt, dass die Pflege der nationalen Eigenart sich mit echter Vaterlandsliebe und Staatstreue paaren kann. Dabei ist bei uns Nationaljuden ein Konflikt zwischen unseren staatsbürgerlichen und jüdischnationalen Empfindungen und Pflichten noch viel weniger denkbar, als bei den Deutsch-Amerikanern. Für diese ist ein Zwiespalt der Gefühle bei Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Deutschen Reiche nicht ausserhalb der Möglichkeitsgrenze. Sind aber dergleichen politische Schwierigkeiten für uns denkbar? nn. Der Pnrimball. Wir verweisen auf das Inserat über diesen lustigen Schwank, den wir zur allgemeinen Anschaffung empfehlen.