Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 11 (11.1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 11 215 der „Dtsch. Tztg." vom 21. 9. 05 über das 19. Bundesturnfest des Nederlandsch Gymnastik - Verbond am 28. bis 30. Juli in Apeldoorn, das sogar einen recht internationalen Charakter hatte. Als am Feste vertreten werden ein belgischer, ein französischer, ein englischer Verein und aus Deutschland der Kreis Villa, der Turnverein „Eintracht"-Dortmund und der Turnklub Hannover, der mit der Vertretung der Dtsch. Tsch. beauftragt war, genannt. In No. 45 der „D. Tztg." (9. 11. 05) finden wir unter den in die Dtsch. Tsch. eingetretenen Vereinen den Turnverein in Bukarest (Rumänien). Es ist von diesem Gesichtspunkte aus auch sehr lehrreich, die in der >,Dtsch. Tztg." erschienenen hochinteressanten Berichte über die Amerikafahrt der Musterriege der Deutschen Turnerschaft zu lesen. Den Kernpunkt der für uns hier in Betracht kommenden Ausführungen bilden folgende Stellen: „Der hohen Tugend vornehmer Gastfreundschaft aber, unter deren Schutz wir uns so wohl und wie zu Hause fühlten, sei an dieser Stelle das erste Lob gesungen. Die äusseren Motive zu deren Erweisung war die aufrichtige Freude über den endlich erfolgten Gegenbesuch und die ersten offiziellen Vertreter der Deutschen Turnerschaft, die tieferen Beweggründe aber lagen wohl nicht allein in der Zuneigung zu diesen als in der alten, aber durch sie neu erweckten Liebe zu dem Lande, aus welchem sie kamen, und zu dem grossen Bunde, dessen Vertreter sie waren. Die unauslöschliche Liebe zum Vaterland, welche von jeher ein besonderes Merkmal des deutschen Turners war, macht sich bei diesem mit doppelter Kraft im fernen Auslande geltend und war gewissermassen der rote Faden, welcher sich durch alle Reden zog, die wir bei Kommersen und sonstigen festlichen Gelegenheiten hören durften. „Aus Liebe zur alten Heimat," so klang es aus der trefflichen Festrede am Empfangsabend in Indianopolis, „nicht bloss aus Liebe zur Person begrüssen wir Sie aufs herzlichste. Grüssen Sie Deutschland von mir mit seinen dunklen Wäldern und seinen lichten Auen, grüssen Sie Deutschland mit seinen herrlichen Strömen und majestätischen Bergen, grüssen Sie das deutsche Volk mit seinem Frohsinn und seinem Freisinn, grüssen Sie die deutsche Kunst und Wissenschaft, und wenn Sie heimkommen, rufen Sie es so laut, dass man es überall hört, wo die deutsche Zunge klingt und wo man deutsche Lieder singt: Seid umschlungen Millionen, diesen Kuss der deutschen Welt." Das grosse Verdienst, welches sich die Nordamerikanischen Turner durch Pflege der deutschen Sprache im Verein und Schule, durch Erhaltung deutscher Sitte und Kultur um unser Volkstum erwerben, wurde bereits früher erwähnt; es muss um so höher angeschlagen werden angesichts der ebenso bedauernswerten als bekannten Tatsache, dass ein grosser Teil der deutschen Auswanderer nur zu bald die heimatliche Sprache und Sitte verleugnet und sich nicht schnell genug englisieren und amerikanisieren kann. Freilich habe ich den vielleicht nicht ganz unbegründeten Eindruck, als ginge man in der prinzipiellen Betonu ng des Gebrauches der deutschen Sprache bei Versammlungen usw. bisweilen zu weit.....