Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 11 (11.1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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214 No. 11 können, dass Dutzende von Studierenden durch den Tabak dauernd ruiniert und verlumpt sind. Die Schädigungen durch den Tabak Vierden meist nicht so augenfällig, weil der ästhetische Widerwille, welchen die Trunksucht erregt, in Fortfall kommt. In Wirklichkeit ist der Tabak viel schlimmer, da er die Leute vollständig energielos macht. Im späteren Stadium dürfte der Nikotinsüchtige sich kaum von einem Morphinisten unterscheiden. Wenn ich die Schädigung namentlich bei Studierenden hervorgehoben habe, so nur aus dem Grunde, weil diese mangels einer festen Beschäftigung zur Not dem Nikotin ohne Störung fröhnen können; der Angestellte muss natürlich bestimmte Stunden des Tages sich vom Rauchen freihalten. Wo ein derartiger Zwang indessen fehlt, gilt dasselbe natürlich auch von anderen wie Studierenden. Ich kenne auch bei K<wf\ leuten mehrere Fälle von Existenzen, die durch Nikotin zerstört sind. Bei den Juden scheint nun die Disposition zum Nikotinismus in starkem Masse vorhanden zu sein, wobei bei den Russen mehr die Cigarette, bei uns die Cigarre mehr in Bäracht kommt. Meiner Erfahrung nach haben wir hierin eine derartige Schädigung zu sehen, dass ein Vortrag über die körperliche Hebung der Juden den Punkt unter allen Umständen berühre'1 sollte. Es wäre wohl überhaupt richtig, das Thema nicht nur positiv zu behandeln, (Bedeutung körperlicher Uebungen etc.), sondern auch negativ (Enthaltung von Schädlichkeiten), wobei für die Juden, abgesehen von der erwähnten Schädlichkeit des Rauchens, in geringerem Masse die schwer verdauliche jüdische Küche in Frage käme. In der Zeit, in welcher unsere Vorfahreu als Hausierer eine weniger sitzende Lebensweise führten, durfte sie anders sein als jetzt, wo die meisten von uns in Bureaus tätig sind- Eine Anzahl bei den Juden häufiger Krankheiten sind vielleicht zum Teil auf diese ungeeignete Küche zurückzuführen. Manches, was als Dl*' Position zu nervöser Störung in mystischer Weise irgend welchen Rassedispositionen zugeschrieben wird, lässt sich auf Tabak und fette K^cße bei sitzender Lebensweise leicht zurückführen. Mit ergebenem Oruss H. M. Cohn. « * Internationalismus und Mangel an Patriotismus Ist noch immer einer der Vorwürfe, die man gegen die jüdisch-nationale Turnbewegung von jüdischer und nichtjüdischer Seite erhebt. Es ist noch 'n keiner Stadt ein jüdischer Turnverein gegründet worden, in der unsere Gegner unter den Einwänden, die uns allmählich zu lieben, alten Bekannten geworden sind, nicht auch diesen vorbrachten. Wir haben sogar schon Feinde gehabt, die ihr patriotisches Gefühl den Behörden gegenüber nicht besser glaubten bezeigen zu können, als dadurch, dass sie uns, natürlich vergeblich, bei der Polizei denunzierten. Die beste Antwort, die wir auf solche Angriffe geben können, ist der Hinweis auf die Beziehungen der deutschen Turnerschaft, der gewiss niemand solche Vorwürfe machen wird, zum Ausland und Insbesondere zu deutschbürtigen Bürgern fremder Staaten. Dass die Beteiligung der deutschen Turnerschaft an ausländischen Turnfesten nicht mehr etwas aussergewöhnliches ist, zeigt der Bericht in No. 38