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Jüdische Turnzeitung · 1905-11-01 · 11 (11.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
11 (11.1905)
Date
1905-11-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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206 No. 11 Wie gründlich haben seit jener Zeit die Anschauungen Wandel erfahren! Auch die Mädchen der sogenannten besseren Stände verschmähen es heute nicht, sich einem Berufe zuzuwenden, und Mädchen, die durch die materiellen Verhältnisse ihrer Eltern durchaus nicht genötigt wären, ihr täglich Brot durch Arbeit zu verdienen, setzen eine Ehre darein, sich auf eigene Füsse zu stellen, durch manuelle oder geistige Arbeit sich eine selbständige Existenz zu schaffen. Aber nicht nur das Mädchen arbeitet. Infolge der erschwerten Erwerbsverhältnisse, welche ja die Ehelosigkeit so vieler Mädchen herbeiführt, ist auch die Frau in vielen Fällen gezwungen, in harter Arbeit dem Manne im Kampfe um das Dasein helfend und unterstützend zur Seite zu stehen. Es ist nun einleuchtend, dass unter solchen geänderten Verhältnissen das Erziehungs- und Unterrichtswesen in Hinsicht auf das weibliche Geschlecht eine bedeutende Änderung erfahren musste, und tatsächlich bringt auch jeder kurze Zeitabschnitt neue Errungenschaften auf diesem Gebiete. Es ist aber ebenso einleuchtend, dass unter diesen ganz neuen Umständen, unter denen die Frauen und Mädchen wirken, ihre körperliche, ihre Willensfestigkeit in ganz bedeutend höherem Masse als ehedem in Anspruch genommen werden. Diese Kräfte zu stählen und zu erhöhen ist nichts so sehr geeignet, als das Turnen. So finden wir denn auch, dass seit dem Erstarken der Frauenbewegung der Wert des Turnens für diese Bewegung von den Frauen erkannt und in bedeutend höherem Grade als bisher betrieben und gefördert wurde. Wir finden in nahezu allen grösseren Städten eigene Damenturnvereine; fast jeder Turnverein weist eine Frauen- und Mädcbenabteilung auf, und wo keine solche besteht, wird seitens der interessierten Kreise für die Errichtung einer derartigen Abteilung lebhaft agitiert. Der Zustrom der weiblichen Mitglieder ist ein gewaltiger und nicht selten kommt es vor, dass die Frauen- und Mädchenabteilungen die Männerabteilungen an Zahl übertreffen. Die jüd. Turnvereine, beseelt von dem Gedanken, ein starke« Geschlecht heranziehen zu helfen, haben nahezu ausnahmslos Frauen- und Mädchenabteilungen errichtet. Der Besuch der Abteilungen »s* ein trefflicher und erhellt zur Genüge die Notwendigkeit dieser

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