Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 11 (11.1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4921092-5965098-5965235--1445-4924304- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 11 207 Einrichtungen. Mit der Errichtung allein ist jedoch nichts erreicht. Sollen diese Abteilungen blühen, dann müssen sie ihren Zweck erfüllen, müssen sie gedeihlich wirken; dies können sie aber nur, wenn der Turnbetrieb so eingerichtet ist, dass die Fähigkeiten der Turnerinnen entsprechend entwickelt werden. Der geänderten Zeit gemäss ist auch hier eine vollkommene Änderung eingetreten. Die Grundlage alles Turnbetriebes ist die Disziplin. Zweifellos gibt es Frauen, die trefflich Disziplin zu halten verstehen. Da aber — wenigstens derzeit noch — dem Manne in der Regel doch mehr Energie innewohnt, er auch das Gebiet des praktischen Turnens weitaus vollständiger beherrscht, so ist — meiner unmassgeblichen Meinung nach — die Platzleitung beim Frauenturnen durch eine männliche Kraft zu führen. Ehedem wurde den Frauen das Turnen in äusserst beschränktem Masse geboten. Was durch das Turnen erreicht werden sollte, war Grazie und Anmut; so kam es, dass die einen den Tanz dem Turnen vorzogen, die anderen das Turnen als unweiblich bezeichneten, wieder andere das Ganze als müssige Spielerei betrachteten. Heute wollen wir anderes erzielen: Kraft, Gewandtheit und Anmut, Willens- und Charakterfestigkeit zur Beherrschung jeder sich ergebenden Lebenslage wollen wir auch dem weiblichen Geschlechte anerziehen. Zu diesem Zwecke lehnen wir den Vorgang beim Turnen der Frauen- und Mädchenabteilungen möglichst an jenen der Männerabteilungen an. Dieser Vorgang kommt schon bei der Kleidung zum Ausdruck. Ohne Turnkleid darf keine Turnerin den Platz betreten, wodurch schon ausgeschlossen erscheint, dass sie in nicht entsprechender Kleidung zu den Übungen antritt. Es fällt nicht in den Rahmen dieses Aufsatzes, über zweckmässige Anfertigung des Turnkleides 2U sprechen. Unbedingt auszuschliessen ist der Gebrauch des Mieders. Ich empfehle jeder Turnerin, die Bluse möglichst kurz zu halten; nicht nur hindert die rockartige Verlängerung der Bluse bei der Ausführung fast aller Übungen, auch das Flattern, das Herren und Glattstreichen derselben während und nach der Übung ls* kein dem Auge besonders gefälliger Anblick. (Schluss folgt.)