Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 11 (11.1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. II 205 Selbständigkeit gebracht hatte. Folgerichtig billigte er keineswegs die von mehreren Seiten kommenden Vorschläge auf Errichtung höherer Schulen für die Juden im Orient, und namentlich in Palästina. Bewundernswert bei einem Nichtfachnianne war die Geschlossenheit und Bestimmtheit und die tiefe Fundierung seiner sozialpädagogischen Anschauungen; dass er der jüdischen Turnerschaft noch kurz vor seinem Tode die wärmsten Sympathien bezeugte, gereicht ihr zur dauernden Ehre. Heinrich Meyer Cohn war bekannt als Woltäter der Armen, aber vergessen wir darüber nicht, dass er uns allen vortreffliche Gedanken, fruchtbare Lehren gespendet hat; möge er auch Beherzigung und Nachfolge finden! Ms. Fr. Über Turnen der Frauen und Mädchen in jüdischen Turnvereinen. Von Rudolf Pollak. Etwas über 20 Jahre sind es, da wurde von gesetzeswegen das Turnen an den österr. Mädchenschulen zum nichtobligaten Gegenstande erklärt und hiermit offiziell verkündet, dass das Turnen für das weibliche Geschlecht als überflüssig betrachtet werde. Es •st nun merkwürdig, dass diese Verfügung gerade in einer Zeit erlassen wurde, in welcher sich ein völliger Umschwung in der sozialen Stellung der Frauen zu vollziehen begann. Die wirtschaftlichen Verhältnisse einerseits, der Kampf der Frauenrechtlerinnen andererseits brachten als Folge mit sich, dass das Verhältnis der Frauen zur und in der menschlichen Gesellschaft heute bereits ein wesentlich anderes geworden ist, als es noch vor knapp 2 Jahrzehnten war. — Noch damals kannte das Mädchen kein anderes 2iel, als häuslich im Hause erzogen, dem Manne seiner oder der Eltern Wahl als gehorsame und sorgsame Gattin in die Ehe zu folgen und demselben die Häuslichkeit zu einer solchen zu gestalten, das» sie ihm nach des Tages Mühen im Kreise der allmählich zugekommenen Familie eine angenehme Erholungsstätte bot. Es war eine Seltenheit, dass ein Mädchen aus bemitteltem Stande einen Beruf ergriff. Einzig und allein die Lehrerin war dem traurigen und bemitleideten Schicksale des Altjungfertums ai»sgesetzt.