Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 11 (11.1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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204 No. 11 literarischen gleichwohl ziemlich fremd. Das neuhebräische und jüdisch-deutsche Schrifttum blieb ihm verschlossen. Ein tatkräftiger Gönner war er der neu sich regenden jüdischen Kunst und der deutsch-jüdischen Publizistik. Das langsam erwachende Palästina hatte an ihm einen treuspendenden, wohlmeinenden Freund. Den Anschluss an den politischen Zionismus hat er bis zuletzt nicht gefunden. Doch wer will sagen, wie der Schrecken der „schwarzen Hunderte", dessen furchtbare Ausartung er gerade so glücklich war, nicht mehr zu erleben, auf ihn gewirkt hätte. Es ist ja doch wahr und ein geringer Trost, dass aus solch' Thränensaaten für Zion immer noch frohe Ernten hervorgegangen sind. "Wie dem auch sein mag, — ähnlich wie A. M. Simon, der Schöpfer der wundervollen Gartenbauanstalt in Ahlem bei Hannover, mit dem er so oft Hand in Hand tätig war und dem er so bald im Tode folgte, war Heinrich Meyer Cohn vor allem gerade unsrer Jugend herzlichst ergeben. Auch er erhoffte nur von ihr, will sagen von der Arbeit an ihr, eine Wiedergeburt jüdischer Volkskraft. Das war es, was beide Männer in erster Linie zur Alliance Isradite Universelle hinzog. Sie hatten sich durch persönliche Anschauung von den Not- und Missständen in den Judengemeinden des Orients und von der hohen Bedeutung der Alliance- Schulen überzeugt. Gemeinsam setzten sie ihren Einfluss ein, um diese Schulen zu modernisieren, den im Orient leicht überwuchernden Sprachunterricht zu Gunsten der realen Fächer, vor allem der körperlichen Ausbildung, des Handfertigkeitsunterrichts und der Anleitung zur Gärtnerei einzuschränken. Der praktische Geist Simons und der mehr theoretische Dr. Cohns ergänzten einander aufs beste. Simon wuchs mit seiner Ahlemer Schöpfung zu einem erfahrenen Volkserzieher. Dr. Cohn hatte sich schon die ersten journalistischen Sporen mit einem pädagogischen Artikel verdient und verfolgte mit beständiger aufmerksamer Teilnahme die pädagogischen Reformbestrebungen in Deutschland. Als die Gleichberechtigung der realen höheren Lehranstalten zum Durchbruch kam, half er wacker mit durch Veranstaltung einer eigenen EnquCte unter seinen juristischen Berufsgenossen. Voll Besorgnis betrachtete er die übertriebene, traditionelle Neigung der Juden aller Klassen zu den reinen Denkberufen und ihre damit gegebene höhere Nervosität. Er förderte daher mit Vorliebe junge Leute, die sich nicht für das akademische Studium berufen glaubten, oder die er selbst auf einen einfacheren Weg zur Erwerbsfähigkeit und