Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 11 (11.1905)
- Date
- 1905-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 11 203 Heinrich Meyer Cohn. Am 29. Oktober d. J. starb zu Berlin nach kaum vollendetem 50. Lebensjahre der Bankier Justizrat Dr. Heinrich Meyer Cohn. Mit ihm ging einer der feinsinnigsten und rührigsten Vertreter bewusst nationalen Judentums dahin. Dem religiösen Leben der Jüdischen Gemeinde fernstehend, widmete er sich mit denkwürdiger Vielseitigkeit all' jenen Bestrebungen, die aus der Idee des jüdischen Volkstums, aus der Liebe zum alten weitversprengten, vielverleumdeten, vielgequälten jüdischen Stamme ihre reichste Nahrung ziehen. Ob er der Abwehrarbeit oder den Hilfswerken oder der Renaissancebewegung mehr zuneigte und mehr nützte, dürfte nicht leicht zu entscheiden sein. Seiner zarten und zurückhaltenden Natur war die Gabe der zündenden Volksrede versagt. Doch ein unwiderstehlicher Mitteilungsdrang beherrschte ihn, und so führte er mit desto grösserem Eifer die Feder. In der litterarischen Abwehr des Antisemitismus stand er in den vordersten Reihen. Er war der geborene Dialektiker, dem es keine geringe Genugtuung bereitete, die Anklagen der Feinde stets wieder in ein Nichts von Widersprüchen aufzulösen. Aber er begnügte sich nicht damit, die Köpfe der Hydra niederzuschlagen, sondern war bemüht, positive Arbeit zu leisten. Seine eigentliche Rüstkammer waren die unabsehbaren Gebiete der Geschichte und Statistik der Juden. Da holte er sich selbstforschend immer neue Waffen für den heiligen Streit, zumal für die Behandlung der Rassenfrage, seinem Lieblingsproblem, mit dem er sich oft und mit Glück beschäftigte. In früheren Jahren entfaltete er eine umfassende, segensreiche Tätigkeit für die Deutschland durchziehenden russischen Flüchtlinge. Sein Interesse für dieses, aller Theorie zum Trotz noch immer unentbehrliche Hilfswerk erlahmte, je mehr die Not in den Zufluchtsstätten der Elenden, in London, New-York und anderwärts wuchs, je geringer damit die Aussicht wurde, dass auf diesem Wege noch wirksam zu helfen war. Für die Bedrängnis der russischen Juden erwartete er in der letzten Zeit Besserung und Hilfe nur noch von der Einsicht des rentenkaufenden Publikums. Er wurde nicht müde, über die bösen Finanzen eines barbarisch regierten Landes durch Wort und Schrift und Beispiel Aufklärung zu verbreiten. Unter den Renaissancebestrebungen, die uns in diesen Blättern vor allem angeben, waren ihm, dem reichbelesenen Manne, die