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Jüdische Turnzeitung · 1905-10-01 · 10 (10.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
10 (10.1905)
Date
1905-10-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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1S8 No. 10 Nicht feeringe Verbreitung scheint in neuester Zeit J. P. MUlier's System zu finden („Mein System", 15 Minuten täglicher Arbeit für die Gesundheit. Mit 42 Illustrationen nach der Natur und einer Zeittafel. Aus dem Dänischen nach der 5. Auflage des Originals von M. und H. Tillge übersetzt. Leipzig, K. F. Köhler. 1904). In nur 15 Minuten — anfangs natürlich etwas langer — dauernder täglicher Übung will Müller drei Hauptaufgaben erfüllen: Förderung der Hautfunktion, der Lungen- und Herztätigkeit (des Stofiwechsels) und der Verdauung. Das Charakteristikum der Müller'schen Hautpflege und seines Systems überhaupt liegt darin, dass er die Wasseranwendung in die Mitte seiner Übungen legt, die völlig ohne Handgeräte ausgeführt werden. Auch Sandow, gegen den Müller ziemlich scharf und mit Unrecht zu Felde zieht, lässt die Übungen mit unbekleidetem Oberkörper vornehmen und durch ein Bad beschliessen. Ohne Berechtigung wirft Müller allen früheren Systemen den Mangel der Hautpflege vor. Sandow hat dem Baden in seinem obengenannten Buche ein ganzes Kapitel gewidmet, in dem er einen sehr vernünftigen gemässigten Standpunkt einnimmt. Überhaupt kann ich Müller's Urteil über Sandow's System, in dem er nur muskelbildenden Wert, aber keinen Einfluss auf die Lebenskraft sieht, durchaus nicht teilen. Das Müller'sche System beginnt mit acht Übungen, die in leichter Bekleidung ausgeführt und von Atemübungen mit Fersen- und Armheben unterbrochen werden. Diesen Übungen schliesst sich ein Wasserbad mit nachfolgender Abtrocknung an. Den Schluss machen zehn kombinierte Frottierübungen, bei denen die Hände den ganzen Körper systematisch reiben und kneten und zwischen die wieder längere oder kürzere Atempausen eingeschaltet sind. Neben seiner Lungen-, Haut- und Muskelgymnastik, die in Verbindung mit der Einwirkung von Luft, Licht und Wasser ihren wohltätigen Einfluss auf das körperliche Wohlbefinden ausüben soll, giebt Müller auch einige „kleine Gesundheitsquellen" an: einfache Kost, langsames Essen, geringe und seltener Alkohol- und Nikotingenuss, leinene Unterkleidung, bequeme, nicht beengende Kleidungsstücke, eine gemässigte Zimmertemperatur (12° R). Zahn-, Mund-, Hals- und Fusspflege und durchschnittlich acht Stunden Schlaf- Kein Wunder, dass die Erfolge der Japaner in dem jüngsten Völkerringen lebhaftes Interesse für das Inselvolk wachgerufen haben. H. Irving Hancock will uns in seinem „Dschiu-Dschitsu (Die Quelle japanischer Kraft- Methodische Körperstählung und athletische Kunstgriffe der Japaner. Mi' 51 Tafeln. Julius Hoffmann, Verlag, Stutgart)", das wörtlich Ubersetzt Muskelbrechung — ein vielverheissendes Wort! — bedeutet, ein „eifeenartiges, der ostasiatischen Kultur (!) entsprossenes, hygienisches, gymnastischathletisches System" vorführen, das den Anspruch erhebt, in potenzierter Weise das zu leisten, was in der alten Kulturwelt das Ringen, die schwedische Gymnastik, das deutsche Turnen, das englisch-amerikanische Boxen erreichen wollen: einen möglichst behenden, kraftvollen und gesunden Leib als Wohnstätte eines ruhigen, tapferen Geistes. Ich muss die Leitgedanken dieser Kunst mehr furchtbar als fruchtbar nennen. In diesem Ragout von systematischer Rauferei mit rohen Griffen, ein wenig Diätetik und noch weniger Gymnastik steckt soviel Barbarei und Rohheit — ist doch als

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