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Jüdische Turnzeitung · 1905-10-01 · 10 (10.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
10 (10.1905)
Date
1905-10-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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No. 10 187 beschäftigen. Nicht nur ein Gegengewicht sollen die Leibesübungen bilden, sie sollen nicht nur stark, gewandt und ausdauernd machen, auch die Schönheit ist eines ihrer erstrebenswerten Ziele und nicht das geringste. Das alte Ideal der Kalokagathie soll wieder auferstehen und die Menschheit zu einer höheren Stufe der Kultur führen. „Wenn Kunst der Ausdruck der Natur ist, wer diesen Ausdruck pflegt um das rein und gesund zu erhalten oder zu erlangen, was er ausdrückt — der muss neben unserm Höchsten, der Geisteskultur, auch die Edelhaltung des Körpers, der die Seele trägt, als eine Aufgabe seiner Kultur erkennen. — Unser Ideal von Körperbildung soll eine psycho-physische, ästhetische Kultur sein; Bewusstwerden des Körpers und seiner Bewegungen als eines Spiegels, eines Symbols der Seele; als eines Teils unseres Selbst, wert, erzogen und gebildet zu werden zu freier Beherrschung seiner Glieder, zu harmonischer Schönheit all seiner Lebensäusserungen." Wenn wir auch den Standpunkt vertreten, dass die Körperkultur ihren hervorragendsten Ausdruck im deutschen Turnen mit seiner schier unerschöpflichen Mannigfaltigkeit der Übungsmöglichkeiten findet, im deutschen Turnen, das die goldene Mitte hält zwischen dem theoretisierenden schwedischen Turnen und der zwanglosen, freien antiken Gymnastik, so erkennen wir die Berechtigung zur Aufstellung von Systemen der Körperpflege wohl an. Bieten sie doch denen, die aus irgendwelchen Gründen einem Turnverein nicht angehören können oder ein übriges für ihren Körper tun wollen, willkommene Gelegenheit, sich an einem Ersatzprodukte zu entschädigen. Weite Verbreitung, besonders in der englisch sprechenden Welt, bat das Sandow'sche System gefunden. Eugen Sandow hat in seinem Buche „Kraft und wie man sie erlangt" (Mit einer Übungstafel und zahlreichen Original-Photographien. Erste deutsche Ausgabe. Übersetzt von Gustav Möckel. Verlag von „Kraft und Schönheit", Berlin W. 9) einen Weg gezeigt, der zur harmonischen Körperentwickelung führt und den schon sehr viele feegangen sind; es ist kein schwieriger Weg und sein Ziel Ist, wie seine Schüler angeben und wie wir selbst zu beobachten Gelegenheit hatten, der Mühe wert. Neben allgemeinen hygienischen Winken, wie einer rationellen Hautpflege durch Bäder, einer individuellen Diät, bei der die Massigkeit die Hauptrolle spielt, legt er den Hauptwert auf seine Hantelübungen, die mit den „Griffhanteln" In allmählich steigender, dem Alter des Übenden angemessener Zahl nach den von Ihm aufgestellten Tabellen ausgeführt werden. Sandöw wünscht, dass die Übungen mit entkleidetem Oberkörper vor einem Spiegel vorgenommen werden, damit durch den Anblick des Muskelspiels und seine allmähliche Entwickelung das Interesse des Übenden wachgehalten wird. Im Sommer sollen die Übungen bei geöffnetem Fenster J™ Sonnenschein ausgeführt und mit einem Bade beschlossen werden. Während der Übungen sollen die Kniee leicht gebeugt und die Oberschenkel- Muskeln straff angespannt werden. Alle Energie muss auf die Ausführung «er Übungen verwandt werden. In dieser Beziehung unterstützen die Griffhanteln vortrefflich, da ihr Festhalten stets eine gewisse Summe von Energie erfordert. Die Übungen können schon vom 5. Lebensjahre an in entsprechendem Masse betrieben werden; die Altersgrenze ist individuell.

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