Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 8 (8.1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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158 No. 8 die sich nackt der Einwirkung von Luft und Licht aussetzen und im Allgemeinen einen besonders schönen und kräftigen Körperbau zeigen, während die Gesundheit der Eskimos, deren Hautfarbe graugelb und fahl ist, unter dem monatelangen Lichtmangel leidet. Welch' einen Gegensatz bietet ferner der sonnengebräunte Landbewohner und der bleiche Grubenarbeiter, wenn auch die Luftverhältnisse gerade in diesem Falle nicht ausser Acht gelassen werden dürfen. Wenn wir erwägen, dass wir uns bei Sonnenschein lange im Freien aufhalten können und dabei ein durch die Wärme hervorgerufenes Wohlbehagen empfinden, so wird uns der wohltätige Einfluss der Bestrahlung einleuchten. Intensiver gestaltet er sich noch, wenn das Sonnenlicht nicht die ewig dunstige Atmosphäre der Grossstadt zu durchdringen hat, durch die z. B. in Berlin viermal soviel Licht zurückgehalten wird wie im Freien bei guter Luft. Und das Sonnenlicht ist das sicherste Mittel, um die Luft von ausgeatmeter Kohlensäure, gasigen und giftigen Zersetzungsprodukten und Bakterien zu reinigen. Aus dieser Tätigkeit des Lichtes ergibt sich sein indirekter Einfluss auf unsere Gesundheit beim Aufenthalt in guter Luft. Anderthalb Jahrtausende schenkte man diesen Tatsachen keine Beachtung. War auch der Einfluss des Lichtes auf das Leben und Gedeihen der Pflanzenwelt bekannt, so blieb es doch den Physiologen Edwards und Moleschott vorbehalten, durch exakte Untersuchungen den Nachweis zu erbringen, dass das Licht auch den tierischen Organismus günstig beeinflusse, während Lichtmangel eine normale Entwicklung verhindere und auf den Stoffwechsel ungünstig einwirke. Welches ist nun der Weg, auf dem das Licht die Steigerung der Lebensprozesse im Körper, des Stoffwechsels, der Sauerstoffaufriahme und Kohlensäureausscheidung hervorbringt? Das durch das Auge in den Körper dringende Licht stimmt den Menschen heiter und regt ihn durch intensive und wechselnde Sinneseindrücke zu stärkerer Tätigkeit an, die wiederum eine vermehrte Zersetzung im Körper und regeren Appetit im Gefolge hat, so dass also auf psychischem Wege Stoffwechsel, Atmung und Blutkreislauf angeregt werden. Es ist also der Einfluss der Belichtung, der übrigens im direkten Sonnenlicht stärker ist als in zerstreutem Tageslicht, kein specifischer und direkter, sondern ein indirekter durch die Psyche. Diese Tatsache erklärt uns auch die Lebhaftigkeit des Südländers. Und wir selbst erkennen an uns die lebenslustweckende Einwirkung