Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 8 (8.1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 8 157 Tageslicht ihre Entwicklung hemmt, wurde auch durch diese Tatsache der Wert des Lichtes für unser physisches Wohlergehen erklärt. Das Licht vermag krankheiterregende Bakterien, die weder durch Kälte noch Hitze noch durch starke Antiseptika vernichtet werden, zu töten, und zwar hängt hierbei die Wirkung des Lichtes v°n seiner Intensität ab. Daher hat Duclaux recht, wenn er das Sonnenlicht das wirksamste, billigste und verbreitetste bakterientötende Mittel nennt. Nun können wir auch verstehen, welch' gewaltiges Gegengewicht gegen die Unsauberkeit im Süden die desinfizierende Kraft des Sonnenlichtes bildet, ohne welches es mit dem Gesundheitszustande der Bewohner übel bestellt wäre. Diesem Gedanken gibt auch das italienische Sprichwort: „Wohin nicht die Sonne kommt, kommt der Arzt" Ausdruck. In Deutschland haben wir ein ähnliches Wort: Der Leichenwagen hält auf der Schattenseite einer Strasse doppelt so oft wie auf der Sonnenseite. Besonders wichtig ist der Einfluss des Lichtes auf das Wachstum, das bekanntlich in sonnenreichen Monaten stark gefördert wird. Während im Licht erzogene Kinder kräftig gedeihen und gegen im Dunkeln aufgewachsene Kinder eine Temperaturerhöhung von etwa 0,5 Grad aufweisen, sehen wir bei letzteren nicht selten rachitische, skrophulöse und ähnliche Erscheinungen, finden wir in dunklen Gebirgstälern den Kretinismus heimisch. Auffallend ist das stärkere Wachstum der Haare und Nägel am Tage und im Sommer, dass durch genaue Messungen nachgewiesen worden ist. Was den Einfluss des Lichtabschlusses auf Blutbildung und Blutbeschaffenheit betrifft, so ist der Nachweis einer Schädigung auf dem Wege des Experimentes nicht gelungen, obwohl sie zu bestehen scheint. Das Licht jedoch übt einen günstigen Einfluss aus; es erweitert die Haargefässe der Haut, wodurch die sichtbare Hautrötung bei Personen herbeigeführt wird, die sich viel dem Lichte aussetzen. Zu der uns umgebenden Luft gesellt sich als zweites für Leben und Gesundheit notwendiges Element das thermisch und ehemisch wirkende Licht. Ein Blick in die belebte Natur zeigt uns, wie alles unter der belebenden Einwirkung des Lichtes, des Urquells alles Lebens, gedeiht. „Die Pflanze selbst kehrt freudig sich zum Lichte." Einen trefflichen Beweis für den Wert des Sonnenlichtes einerseits und den schädigenden Einfluss des Sonnen- Langels andererseits haben wir an den Negern und Indianern,