Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 8 (8.1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4921092-5965098-5965228--1377-4924239- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
154 No. 8 einander zu halten sind. Die konstitutionelle Körperbeschaffenheit muss von der aktuellen unterschieden werden; man darf mit anderen Worten die körperliche Veranlagung nicht mit dem jeweiligen Zustand verwechseln. Wir halten die konstitutionelle Beschaffenheit des jüdischen Körpers noch heute für gut; wir entnehmen dies nicht nur aus den Gipfelleistungen Einzelner — denn dass könnten Zufallserscheinungen sein — sondern wir erleben ja täglich am Durchschnittsmaterial unserer Vereine, dass Leute, die schwach und ungewandt eintreten, in kurzer Zeit Kraft und Geschicklichkeit erlangen. Dagegen sehen wir, dass der heutige physische Zustand unserer Volksgenossen sehr schlecht ist. Die uns innewohnende Fähigkeit zur körperlichen Entwicklung ist nicht ausgenutzt, und es bedarf wieder regelmässiger und zielbewusster Arbeit um Kraft und Schönheit zu einem Gemeingut unseres Volkes zu machen. Und das ist es worauf die jüdische Turnbewegung ihre Propaganda für die Verbreitung der körperlichen Übungen unter den Juden begründet. Dieser Gedanke muss und wird auch in den Ländern des äussersten Judenelends seine Anbänger finden. Können dort die Erwachsenen dafür nicht mehr in Frage kommen, weil sie weder Zeit noch Geld dazu übrig haben, so gilt es auch in jenen Gebieten der Idee zum Sieg zu verhelfen, dass die Schule der heranwachsenden Jugend statt blosser geistiger Zucht auch körperliche Ausbildung gewähren muss. Die Kinder des Cheders und die Jünglinge der Jeschibah sollen turnen, spielen, wandern. Mit der schönen Redensart, dass den Juden die allgemeinen Grundlagen einer besseren Existenz geschaffen werden müssen, ist nichts getan. Da heisst es an vielen Punkten ansetzen; Kleinarbeit muss geleistet werden und sie hat Wert und wird erfolgreich sein, wenn sie sich immer unter dem grossen leitenden Gedanken der Volksverjüngung als Teil der gesamten nationalen Arbeit vollzieht. Die Notwendigkeit der jüdischen Propaganda für das Turnen besteht aber auch für die Länder, die den Juden bessere Lebensverhältnisse bieten. Es ist ein kaum glaublicher Irrtum, wenn man annimmt, dass die bemittelten jüdischen Kreise nach dieser Richtung mindestens ebensoviel oder gar noch mehr als die anderen tun. Noch ist immer das Gegenteil der Fall und die Bewegung findet bei allen Fortschritten, die sie macht, noch immer nicht die Erfolge die wünschenswert sind, wenn man bedenkt, dass wir es viel nötiger haben als die anderen, uns nicht bloss mit dem Bewusst-