Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 7 (7.1905)
- Date
- 1905-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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144 No. 7 schaftlichen litterarischen Charakter hinaus einen kulturgeschichtlichen Inhalt zu geben, der ihr ein allgemeines Interesse verleiht. Wir gewinnen ein Bild von der Stellung des mittelalterlichen deutschen Juden unter seinem Wirtsvolke, das uns seine Pariaexistenz in ihrer ganzen düsteren Traurigkeit zeigt. Es erscheint uns als eine sehr milde Schilderung, wenn Luther diesen Zustand mit folgenden Worten beschreibt: „Unsere Narren, die Päpste, Bischöfe, Sophister und Mönche, die groben Eselsköpfe, haben bisher also mit den Juden gefahren, dass wer ein guter Christ wäre gewesen, hätte wohl mocht ein Jude werden. Und wenn ich ein Jude gewesen wäre und hätte solche Tölpel und Knebel gesehen den christlichen Glauben regieren und lehren, so wäre ich ehe eine Sau worden, denn ein Christ. Denn sie haben mit Juden gehandelt als waren sie Hunde und nicht Menschen, haben nichts mehr kunnt tun, denn sie schelten und ihr Gut nehmen, wenn man sie getauft hat, keine christliche Lehre noch Leben hat man ihnen bewiesen, sundern nur der Papsterei und Möncherei unterworfen" (S. 40). Freilich hat auch Luther, als er sah, dass die Juden seinem Liebeswerben nicht folgten, sondern hartnäckig bei ihrem Judentum verblieben, sie nicht besser behandelt, als er es vordem seinen Gegnern vorgeworfen. Das Interessanteste an dem Buche ist, dass wir all die wohlbekannten Namen und Werke dieses Zeitalters einmal von einem ganZ anderen Standpunkte aus betrachtet sehen, als der, von dem aus sie uns gewöhnlich gezeigt werden. Wir können die Anschaffung des kleinen Werkes, das infolge seiner vorteilhaften Ausstattung auch öusserlich einen guten Eindruck macht, den Bibliotheken unserer Vereine und allen unsern Freunden nur empfehlen. In dem zweiten Buche sind die verhältnismässig wenig ergiebigen Quellen, die Uber Schillers Verhältnis zu den Juden und dem Judentum fliessen, sorgfältig und recht geistreich ausgenutzt, es scheint uns aber' als ob der Verfasser in der erklärlichen Begeisterung der Schillerjubiläumszeit die Stellung, die Schiller den Juden gegenüber eingenommen hat, im Ganzen etwas zu freundlich darstellt. Für uns am wertvollsten ist an diesem Buch der leider nur wenige Seiten umfassende Abschnitt Uber das Verhältnis der Juden zu Schiller. Ich will nicht unterlassen zu erwähnen, dass der Autor bei dieser Gelegenheit auch den Radlerschen Artikel „Schiller in der Judengasse" aus dem Februar-März-Heft 1905 der Jüd. Turnzeitung heranzieht. H- V. J. H. Deborah, biblisches Drama in 4 Akten. Wien. Selbstverlag 190&- Hat Herr V. J. H. keinen guten Freund, der ihn und schliesslich auch eine Sache, der er offenbar dienen will, vor der Blamage bewahrt, dass so etwas gedruckt wird? Im Wiener „Jüdischen Volksbiatt" vom 21. Juli finden wir folgende Notiz: „JftdUcher" Turnverein „Aar". Wohin es führt, wenn Juden sich in fremdnationale Vereine drängen, mögen sie auch Geselligkelts-. Gesangs- oder Turnvereine sein, soll eine Stimme aus dem deutschnationalen Lager Westböhmens wieder einmal beweisen. Die „Westböhmische Rundschau" in Techau schreibt unter obiger Spitzmarke: „Das hiesige Rabbinerblatt macht unausgesetzt für das 40jährige Gründungsfest