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Jüdische Turnzeitung · 1905-07-01 · 7 (7.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
7 (7.1905)
Date
1905-07-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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136 No. 7 duldigem Warten nichts gebessert wird, wollen wir uns freuen, dass die Juden Russlands sich zu mannhafter Gegenwehr entschlossen haben. Feste Scharen sind in allen grösseren Städten dauernd zum Eingreifen bereit, wenn plötzlich der friedliche Wochenmarkt zum Kampfplatz oder die Synagoge zur bestürmten Festung wird. Die Jungen, die Unverheirateten meist stehen in diesen Scharen; wer nur das eigene Leben, nicht Weib und Kind noch zu verteidigen hat, der muss einen Kraftüberschuss haben für seine Brüder und Schwestern, für die Greise, die Frauen und Kinder. Regelrecht wird der Gebrauch der Waffen geübt, die freilich noch lange nicht immer Schusswaffen sind, oft genug handfeste Knüttel, primitive Spiesse, Arbeitsgeräte. Was aber der Kampf mit sich bringt, ist wert wichtiger als der Kampf selbst. Zunächst Organisation. Der Kampf verlangt ein Haupt, und verlangt Disziplin. Nach den spärlichen Berichten, die über die Grenze dringen und nach den Schilderungen von Augenzeugen wird diese Notwendigkeit eines planvollen Vorgebens immer schärfer erkannt. Nachtwachen werden aufgestellt, ein geheimer Botendienst wird eingerichtet, Kundschafterposten ausgeschickt, und im Falle der Gefahr eilt die Judenschaft einer Stadt der nächstgelegenen zu Hilfe. So kam auch die Tragödie von Trojanow zustande. Als in Shitömir der Kampf begann, da rückte aus Tschudnow eine kleine Abteilung zur Unterstützung heran. In Trojanow wurden die Wackeren von einer gewaltigen Übermacht überfallen und erschlagen. Und das Traurigste ist dabei, dass die Juden von Trojanow diese kleine kampfbereite Schar veranlassen wollten, die Waffen auszuliefern! Die Nachricht, dass der Rabbiner von Trojanow den gefallenen Helden ein ehrliches Begräbnis verweigert habe, ist zu ungeheuerlich, um geglaubt zu werden. Der Mann verdiente Minister des Innern in Russland zu werden. Immer einheitlicher gliedert sich die Kampforganisation der Juden. Komitees der Selbstverteidigung mit gemeinsamer Zentrale werden gebildet und sorgen für Waffen, Führung und Plan zum Kampf- Und unbewusst erstarkt bei alledem das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Die Parteien der russischen Juden gehen ein Stück Wegs zusammen, sie müssen zusammen gehen. Die Judenheit Russlands war in den letzten Jahren tief gespalten. Zunächst in die Alten und die Modernen. Noch lebt ein grosses Stück alten Golusjudentums, die Reaktionären, meist ortho-

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