Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 7 (7.1905)
- Date
- 1905-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7 135 Heute sind die Truppen der jüdischen Notwehr eine geschlossene Masse wie die Bürgerwehr der französischen Revolution. Wer hat das zuwege gebracht? Bezeichnend genug, wenn auch für den Kundigen nicht wunderbar: Der nationale Gedanke. Wie allenthalben waren es auch in Russland die jungen, lebenskräftigen Juden, die zuerst den nationaljüdischen Gedanken erfassten und um die werbende Fahne des Zionismus sich zu Hunderttausenden scharten. Die erste Grundforderung der nationalen Gesinnung, dass es Sache der Juden ist, ihr Geschick selbst in die Hand zu nehmen, ist die Quelle der jüdischen Selbstverteidigung geworden. Natürlich fehlte es dort so wenig wie bei uns an Zagenden, allzu Vorsichtigen, klugen „Politikern", die in diesen Strömungen eine Aufreizung der antisemitischen Instinkte sahen und noch immer glaubten, durch Nachgeben und Schweigen besser davonzukommen. Wir jüdischen Turner wissen ja ein Liedchen von diesem Argument zu singen, das auch gegen uns immer noch herhalten muss. Aber wer nicht blind ist und noch eine Spur von lebendigem Wollen in sich fühlt, der wird begreifen, dass es in Russland nichts anderes mehr für die Juden gibt, als die Notwehr mit der Waffe in der Faust. Die Organe des staatlichen Schutzes sind nicht nur untätig bei Judenmetzeleien, sondern helfen geradezu morden und plündern, und die Verluste der Juden sind überall da grösser, wo sie sich wehrlos niederschlachten liessen. Vor zwei Jahren, als wir in B a s e 1 die Erfolge jüdischer Leibeszucht vor Hunderten von Abgesandten russischer Juden zeigten, da hielten wir Kischinew noch für eine Episode, da hofften wir noch, dass unser Beispiel eine schöne Bewegung zur körperlichen Hebung der Juden in Russland entfachen würde. Die schicksalsschweren Ereignisse, -die sich seitdem in Russland abspielen und an deren Anfang wir wohl erst stehen, haben mit "»her Gewalt jede friedliche Arbeit unmöglich gemacht. Aber welche ironische Fügung des Geschickes! Was wir friedlich erstreben wollten, vollzieht sich unter Not und Tod durch Blut und Schwert. Im Kampfe um ihr Leben und ihre Freiheit wird die Judenheit Russlands sich körperlich aufrichten. Es ist eine schauerliche Leibesübung, im Kampf auf Leben und Tod zu erstarken. Aber da mit frommen Wünschen und ge-