Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 7 (7.1905)
- Date
- 1905-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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134 No. 7 strebt, der Glaube, der das verbietet, sie stehen auf der Liste der Absterbenden. Als vor zwei Jahren neuerdings in Russland die grossen Judenkrawalle losbrachen, da trafen sie ein Judentum an, das durch die lange Knechtschaft niedergedrückt und entmutigt war. Nur so konnten die Ereignisse von Kischinew geschehen. Wir wissen zwar, dass heldenhafte Szenen der verzweifelten Verteidigung sich dort ereignet haben, und dass Militär und Polizei auf den ruchlosen Befehl der Mordregierung eine geordnete Gegenwehr der Juden verhindert haben. Aber wir wissen auch, dass die Kischinewer Juden mehrere Tage vor dem Aufruhr, als sie schon wussten, was bevorstand, kostbare Zeit mit Bittgesuchen an den Gouverneur — den Raaben von Kischinew — verschwendeten, anstatt Waffen zu sammeln und einen Verteidigungsplan zu beraten. Kischinew aber wurde der gewaltige Weckruf für die Notwehr der russischen Juden. Damals drohte die Mordlust auf dem Wege über T i r a s p o 1 nach Odessa einzubrechen. Aber die mächtige Judenschaft Odessas — 200 000 Menschen — rührte sich. Komitees der Selbstwehr wuchsen aus dem Chaos, Waffen wurden in Massen gekauft, allerdings unter schweren Strafen der väterlichen Regierung, die ihre liebsten Kinder nicht mit Waffen umgehen lassen wollte, Maueranschläge warnten und mahnten die Juden — und der Aufruhr unterblieb, der feige Pöbel zog sich zurück. In K e r t s c h drohte ein Pogrom (Krawall). Aber die jungen Juden, unter ihnen mein wackerer Freund, ein hitzköpfiger Student, der spornstreichs die Klinik verliess, um in Kertsch „die Russen zu schiessen", haben auch hier durch entschlossenes Vorgehen die Ruhe erhalten. Seit diesen Tagen ist den Juden Russlands die Pflicht der Selbsthilfe klar geworden. Das zeigten die Ereignisse von Hornel. Man spricht vom Mord in Kischinew, 'aber man spricht von der „Judenschlacht in Hornel". Ein regelrechter, von beiden Seiten wohlvorbereiteter Kampf, auf beiden Seiten schwere Verluste. Freilich die schwereren auf Seiten der angegriffenen jüdischen Minderheit, aber sie haben ihr Leben teuer verkauft. Darum ist auch ihr Tod nicht so grässlich, er ist verklärt durch den Stolz der Lebenden auf die Toten. „Schlaft ruhig, ihr Helden", schreibt „Der jüdische Arbeiter", „ihr habt euer Blut nicht umsonst vergossen! Euer Beispiel wird Tausende und Tausende des jüdischen Volkes begeistern, das euch niemals vergessen wird."