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Jüdische Turnzeitung · 1905-05-01 · 5/6 (5.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
5/6 (5.1905)
Date
1905-05-01
Page
[Seite] (sequence 51)
Language
German
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No. 5/6 117 sches Volkstum" und „jüdisches Volkstum", die nebeneinander laufen, nicht gegeneinander. Analog ist unsere Stellung, die wir zu den französischen, italienischen, schweizerischen usw. Turnverbänden einzunehmen haben werden, wenn sich auch auf diese Länder, was bis jetzt noch nicht der Fall ist, die jüdische Turnbewegung erstrecken wird. An das Referat von Scholem knüpft sich folgende Debatte: Dr. Tuch weist auf die Gefahr hin, die uns durch solche irrtümlichen Ansichten, wie die des Kreises VlUb der Deutschen Turnerschaft, drohen. Er hält es für ratsam, demgegenüber unsere wahren Anschauungen einer möglichst großen Oeffentuchkeit zugänglich zu machen. Bisher sei die Deutsche Turnerschaft nicht speziell antisemitisch gewesen. Aber es könnte uns leicht so gehen, wie es schon jetzt in Oesterreich der Fall ist; denn es ist nicht zu verhehlen, daß wir deutschen Juden heute im großen und ganzen in der deutschen Bevölkerung Antipathieen begegnen. Prof. Frank! In Oesterreich sind wir über die Periode der liberalen Turnvereine hinaus. Als die antisemitische Strömung aufkam, wollten sich die Arier der Juden entledigen, indem sie eine Judensperre einführten, d. h. überhaupt keinen Juden mehr oder nur einen kleinen Prozentsatz von Juden aufnahmen. Wenn also heute ein Jude in einen solchen Verein eintreten will, dann muß er unbedingt zwei Deutsche mitbringen, wenn er aufgenommen werden will. Die Majorität der Vereine ist Bereits im deutsch-nationalen Lager. Mit diesen Deutsch-Nationalen, die die Juden hinausgeworfen haben, wollen wir durchaus nichts zu tun haben. Nun ist das Merkwürdige, daß die Juden, die hinausgeworfen worden sind, sich damit noch nicht zufrieden gegeben haben. So sind z. B. die Juden in Mährisch- Ostrau, die aus dem deutschen Turnverein hinausgeworfen wurden, in jüdische Turnvereine gegangen mit Ausnahme von einigen Hetzern. Als sich dann unser Verein dem Verbände anschloß, haben diese eine eigene flerrenriege gegründet. Heute haben sie, infolge ihres Ansehens, das sie 111 der Provinz genießen, bereits einige Arier herangezogen und sie haben sodann einen „liberalen" Turnverein gegründet. Unser Kampf muß sich hauptsächlich gegen diese wirklich charakterlosen Juden richten. B e r g e r. Ich kann Scholem nur beipflichten. An und für sich steht uns die Deutsche Turnerschaft nicht feindlich gegenüber. Wir haben z. B. 'n Köln gemeinsame Spielplätze mit einem Verein der Deutschen Turnerschaft. Dr. Z i r k e r. Ich stehe ebenfalls auf dem Standpunkt Dr. Tuchs, "aß nämlich die Angelegenheiten, die hier besprochen worden sind, einer recht großen OeffentTichkeit übergeben werden. Die Deutsche Turnerschaft Widersprach sich nicht, als sie sich bei ihrer Gründung deutsch nannte, denn s>* umfaßte alle Bundesstaaten des ehemaligen deutschen Reiches. Als aber im Jahre 1866 eine Separation der Staaten erfolgte und 1871 das «deutsche Reich ohne Oesterreich errichtet wurde, da gerieten die Herren Jj1 einen gewissen Widerspruch. Auf der einen Seite sagten sie, daß sie "futsch-national seien wie bisher, auf der anderen Seite wollten sie auch e'nen vaterländischen Verband bilden, und so haben wir den heutigen Zustand der Deutschen Turnerschaft. Zu der deutsch-nationalen Tendenz gesellt sich des ferneren eine allgemeine christliche Weltanschauung, deren Vorhandensein nicht geleugnet werden kann, auch wenn sich diese Anschauung etwas im Hintergrund hält und jeder konfessionellen Färbung entbehrt. Als das deutsche „4 F"-Zeichen in Kreuzform als Symbol der deutschen Turnvereine (freilich lange vor Gründung der „Deutschen Turnerschaft") gewählt wurde, entbrannte ein heftiger Kampf, der sowohl für seine Befürworter wie Bekämpfer bezeichnend ist. Denn in der Polemik gegen u'* Annahme dieses Symbols wirkten besonders jüdische Turner mit, die wohl ahnen mochten, daß' es sich hier im Grunde um ein Prinzip handelte. Redner ist für eine klare, aber scharfe Resolution über unsere Stellung 2u den anderen Turnverbänden.

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