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Jüdische Turnzeitung · 1905-05-01 · 5/6 (5.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
5/6 (5.1905)
Date
1905-05-01
Page
[Seite] (sequence 50)
Language
German
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' No. 5/6 116 Unrecht unserem Verband aggressive Tendenzen untergeschoben habe. Was zunächst den Arbeiter-Turnerbund anlangt, so verdient derselbe schon wegen der Zahl seiner Mitglieder — er zählt deren 44000 — eine gewisse Beachtung. Die Anzahl seiner jüdischen Mitglieder ist freilich nicht sehr groß. Das Verhältnis unseres Verbandes zum Arbeiter-Turnerbund ist dadurch gegeben, daß dieser eine auf Klassengegensätzen sich aufbauende Organisation bildet, die tat sächlich national ist, auch wenn sie es nicht sein will, während wir jüdischen Turner es als unsere Aufgabe betrachten, die sozialen Gegensätze möglichst zum Ausgleich zu bringen, jedenfalls aber denselben in unseren eigenen Reihen keinen Raum gewähren. Ueber den streng antisemitischen „Deutschen Turnerbund" erübrigt es sich, Worte zu verlieren: wir haben mit diesem Verband nichts gemein. Dagegen verdient unsere Stellung zur „Deutschen Turnerschaft" eine eingehendere Betrachtung. Die „Deutsche Turnerschaft" sagt nicht klipp und klar, was sie unter „deutsch" versteht. Da sie auch den Kreis XV (Deutsch- Oesterreich) und überdies 32 ausländische Turnvereine in vier Erdteilen umfaßt, kann sie unmöglich den Begriff „deutsch" als deutschstaatsbürgerlich verstanden wissen wollen. Sie liefert so einen Beweis dafür, daß das deutsch-nationale Empfinden, die deutsche Stammesgemeinschaft nicht an die deutschen Reichsgrenzen gebunden ist. Doch hält sie es mit ihrer deutsch-stammestümlichen Tendenz nicht für unvereinbar, die „Paar Juden" in ihren Reihen zu verdauen, sofern sich diese zu ihren Grundsätzen bekennen. Die Deutsche Turnerschaft hat unserer jüdischen Turnbewegung erst in letzter Zeit Be^ achtung geschenkt. Eine offizielle Stellungnahme uns gegenüber ist indessen nicht erfolgt. Daher kann zurzeit nicht gesagt werden, wie die Deutsche Turnerschaft zu uns steht. Es sind bisher nur einzelne Persönlichkeiten gewesen, die sich teils ablehnend, teils zustimmend über unsere Bewegung geäußert haben, insbesondere jüdische Mitglieder der Deutschen Turnerschaft, die in diesem Falle aber als befangen anzusehen sind. Dagegen können wir selber, wie wir es ja bereits mehrfach öffentlich betont haben, unsere Stellung zur Deutschen Turnerschaft dahin charakterisieren, daß wir, ohne von unseren grundsätzlichen Anschauungen auch nur das mindeste aufzugeben, doch bestrebt sind, gute Beziehungen mit ihr anzuknüpfen und zu erhalten. Wir wollen auch nicht immer auf dem „Qui vive" des Antisemitismus stehen, obwohl es eine Verschleierung der Tatsachen wäre, wollte man sagen, in den Turnvereinen der Deutschen Turnerschaft gäbe es keine judenfeindlichen Strömungen. Andererseits brauchen wir auch nicht Rücksicht gegenüber den jüdischen Turnern der Deutschen Turnerschaft zu üben, die fälschlich meinen, sie könnten durch unsere Bestrebungen ihren deutschen Turngenossen gegenüber ins Hintertreffen geraten. Es sind verschiedene Ideen und Ideale, „deut-

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