Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 5/6 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4921092-5965098-5965224--1325-4924189- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 5/6 112 Die Vorturnerschaft selbst mit ihren Vorrechten und Begünstigungen nimmt eine Ehrenstellung im Verein ein und ist ein Ziel, das jeder ambitionierte Turner anstrebt. Darum soll die Vorturnerschaft konstituiert werden, wo dies irgend möglich, und sollen Vorturnerkurse eingerichtet werden. Regelmäßige Riegenprüfungen, Führung der Riegenbücher und strenge Einhaltung der Riegeneinteilung eifern die Mitglieder zu regelmäßigem Besuche an und geben zugleich auch schwächeren Turnern erwünschte Gelegenheit, sich unter den annähernd gleichwertigen Turngenossen hervorzutun. Das wären solche Momente der. allgemeinen Turnbetriebes, die zugleich in Hinsicht auf turnerische Propaganda von wesentlicher Bedeutung sind. Dazu kommen noch im speziellen: Ansprachen des Vereinssprechers am Turnplatze mit Anfeuerung zu eifriger Turnarbeit und regelmäßigem Turnbesuch, Aufforderung zu reger Mitarbeit an den turnerischen Veranstaltungen des Vereins. Diesbezüglich kommen auch für innere Vereinspropaganda die Schau- und Wettturnen in Betracht. Beide beleben den Turnplatz in außerordentlicher Weise und geben den Anstoß zu erhöhten Leistungen des Einzelnen wie der Gesamtheit. Im übrigen dienen diese Veranstaltungen der Propaganda nach Außen und zwar in so hohem Maße, daß dadurch die Nachteile, die mit solchen Veranstaltungen für den regulären Turnbetrieb in -der Regel verbunden sind, wohl reichlich aufgewogen werden. Desgleichen sind Turngänge und Turnspiele mit ihren vielfachen Freuden und Anregungen ein bewährtes Mittel, die Teilnahme am turnerischen Leben im Vereine zu erhöhen. Schließlich bietet auch der persönliche Verkehr der Turner am Turnplatze in turnerischer Hinsicht manche Anregung und gibt unseren zweckbewußten Mitgliedern die beste Gelegenheit, zur eindringlichsten und wirkungsvollsten Propaganda von Mann zu Mann. Was nun die innere Vereinspropaganda in turnerisch administrativer Hinsicht anlangt, möchte ich vorausschicken, daß für die jüdischen Turnvereine diesbezüglich im allgemeinen dasselbe gilt wie für jeden anderen Verein, daß nämlich eine gedeihliche Entwicklung in erster Linie von einer entsprechenden Leitung des Vereins abhängt. An die Spitze dürfen nur ernst zu nehmende, zielbewußte und arbeitswillige Leute gestellt werden, bei jüdischen Turnvereinen kommt dazu noch das Erfordernis zweifelloser jüdisch-nationaler Gesinnung- Und da muß gerade bei jüdischen Vereinen gewarnt werden vor der (alten Golusweise, daß nur die reichsten, durch alle möglichen anderen Ehrenstellen ohnedies schon stark in Anspruch genommenen Genossen in die Leitung berufen werden. . Solche Leute mögen alle ,Qualitäten in sich vereinen, um hochgeschätzte Freunde und Gönner, eventuell auch Ehrenmitglieder jüdischer Turnvereine zu werden — zur Leitung der Turnvereine aber sind sie nicht geeignet. Denn dieses Amt nimmt seinen Mann stark in Anspruch,