Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 5/6 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5/6 113 verlangt Opfer, wenn auch nicht immer in materieller Hinsicht, so doch wesentlich an Zeit und persönlicher Mühe. Es soll nicht so gehalten werden, wie in so vielen jüdischen Gemeinschaften, daß zur ehrenvollen Arbeit nur die reichsten, zur materiellen Beitragsleistung aber auch die ärmsten Genossen herangezogen werden. Soziale und gesellschaftliche Differenzierungen müssen vom Turnplatze fern gehalten werden. Die einzelnen Ressorts in der Leitung der jüdischen Turnvereine sollen mit Fachleuten besetzt sein. Turnwart, Zeugwart, Kasseverwalter, sie müssen ihre Sache verstehen und das Amt nicht bloß dem Namen nach bekleiden. Je besser jeder einzelne Funktionär sein Amt verwaltet, desto mehr wird den übrigen Vereinsmitgliedern der Ernst der Sache selbst und die Zweckmäßigkeit der gemeinsamen Tätigkeit im Verein klar werden. Desto ernster werden es auch die übrigen Vereinsgenossen mit der Erfüllung ihrer Verpflichtungen gegen den Verein nehmen. Beratungen und Versammlungen sollen ernst und würdig geführt werden und nicht nur die Einhaltung der statutenmäßigen Formen bezwecken, sondern wirklich Gelegenheit bieten, das Interesse an den Vereinsangelegenheiten zu betätigen, Anregungen zur Förderung des Vereins zu geben und zu empfangen. Bettungen resp. Sitzungen der Vereinsleitung sollen in der Regel für alle Vereinsmitglieder zugänglich sein und rechtzeitig am schwarzen 'Brette am Turnplatze angekündigt werden. Das schwarze Brett mit seinen Anschlägen ist übrigens an sich ein Propagandamittel, das baromterartig den Stand der Vere'nstätigkeit erkennen läßt. Es sollen daselbst auch sämtliche Beschlüsse der Vereinsleitung verlautbart und die Namen °eu eingetretener Vereinsmitglieder publiziert werden. Auch letzterem Umstände kommt Bedeutung für die Propaganda zu. Freut sich doch jedes Mitglied über neuen Zuwachs, und ist der Beitritt neuer Mitglieder doch ein Erfolg des Vereins und damit für alle ein Ansporn zu immer neuer intensiver Tätigkeit. Die beste administrative Propaganda ist aber ein nach jeder Hinsicht geeignetes Turnlokal, das womöglich ausschließlich den Zwecken des Vereins gewidmet ist. Garderoben und Waschraum sollen hinreichend groß und zweckentsprechend sein, damit die Lust am Turnen nicht durch allzu große Unannehmlichkeiten °der auch nur Unbequemlichkeiten beim Umkleiden und Waschen getrübt werde. Das Turnlokal kann auch außerhalb der Turnzeiten für propagandistische Vorträge usw. Verwendung finden, sofern es dadurch nicht etwa dem eigentlichen Zwecke entzogen wird. Solche Yorträge sollen eventuell auch regelmäßig stattfinden und zwar über Hygiene des Turnens, wodurch gewisse Aengstlichkeiten der Turner in hygienischer Beziehung beseitigt werden, über erste Hilfe und dergleichen. Auch die Versicherung der Mitglieder gegen Unfälle am Turnplätze erscheint geeignet, allzu