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Jüdische Turnzeitung · 1905-05-01 · 5/6 (5.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
5/6 (5.1905)
Date
1905-05-01
Page
[Seite] (sequence 45)
Language
German
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No. 5/6 111 sichtlichen Darstellung eine solche Zweckeinteilung unserer Tätigkeit vornehmen und demgemäß unterscheiden. 1. Propaganda in turnerischer Beziehung, 2. Propaganda für die von uns vertretene jüdische Idee. Die turnerische Propaganda wollen wir noch unterteilen a) in turnerische im engeren Sinne und b) in administrative. Nun wir uns derart den zu behandelnden Stoff zurechtgelegt, wollen wir in die Sache selbst eingehen. Die turnerische Propaganda im engeren Sinne liegt im ganzen Turnbetriebe. Der Ernst, mit welchem für eine Sache und an einer Sache gearbeitet wird, bildet nicht nur für Fernstehende, sondern auch für die Teilnehmer an der Arbeit den Maßstab für die Bedeutung der Sache selbst. Darum liegt die wichtigste und beste Propaganda in der ernsten und zielbewußten, regelmäßigen und geordneten Turntätigkeit. Die Regelmäßigkeit des Turnbetriebes erhält das einmal geweckte Interesse stets frisch und verhütet die Gefahr, die darin liegt, daß bei Unregelmäßigkeiten in den Turnzeiten und noch vielmehr bei Unterbrechungen des Turnbetriebes die Mitglieder sich dem Turnplatze entfremden und sich nur schwer wieder zurückfinden. Darum soll selbst für eine einzelne Turnzeit, wenn eine solche aus irgend einem Anlasse entfällt, soweit tunlich, Ersatz durch eine außerordentliche Turnzeit geschaffen werden, und soll der Turnbetrieb, wenn auch zeitweise in beschränktem Umfange, das ganze Jahr hindurch aufrecht erhalten werden. Strenge Ordnung und Disziplin am Turnplatze s|nd die unerläßliche Voraussetzung jedes Erfolges in Turnvereinen, Slnd aber, fast möchte ich sagen, Selbstzweck in jüdischen Turnvereinen. Sie wirken nicht nur auf Zuschauer und Gäste, sondern insbesondere auch auf die Turner selbst ganz außerordentlich, die da lernen, sich freiwillig unterzuordnen, und dann überrascht sehen, welche Erfolge solche Disziplin in einer großen Schar so verschiedener Individualitäten zu zeitigen vermag. Daß eine gediegen efachmännischeLeitung das Interesse und die Lust am Turnen erhöht, hat wohl jeder schon an sich selbst erfahren. Dazu gehört auch entsprechende Abwechslung der Geräte und Freiübungen im Rahmen eines festzustellenden Programms, wodurch in systematischer Entwicklung eine Ausbildung an den verschiedenen Geräten ermöglicht wird. Niemand wird unter den Turnern bessere Propaganda machen, als ein früher ungewandter 'urner, der durch gute Leitung sichtbare Fortschritte gemacht hat und dies selbst mit großer Freude wahrnimmt. Auch dem Kürturnen wird eine solche Leitung besonderes Augenmerk zuwenden müssen, denn da ergibt sich erhöhte Gelegenheit, schwächere Turner zu stärkeren Leistungen anzuspornen, die turnerische Ambition tfurch Beispiel und Anregung zu wecken und in die richtigen Wege 2u »dten. Da wird freilich auch die Vorturnerschaft mithelfen müssen.

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