Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 5/6 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/4921092-5965098-5965224--1320-4924184- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 5/6 107 «eits machen sich unsere turnerischen Erfolge so fühlbar, die jungen Leute, die ihre Dienstzeit hinter sich haben, wissen so viel von dem Nutzen zu erzählen, den die turnerische Vorbildung ihnen gebracht hat, daß es keiner wagen kann, solche Argumente zu bestreiten. Es gibt lediglich einen Punkt, von dem unsere Gegner glauben, daß sie ihn mit Vorteil gegen uns verwenden können, das ist natürlich unsere nationale Stellungnahme. Nun können wir eigentlich froh sein, daß es noch einen Gegenstand gibt, der eventuell zu Gegnerschaft Anlaß geben kann. Unsere Bewegung hat Gegner nötig, wenn sie gedeihen will; im anderen «Falle würde sich unsere Werbetätigkeit lediglich im engen Kreise, von Mund zu Mund, — entwickeln können, unsere Agitation würde die Merkmale etwa der stillen Agitation der Guttemplerlogen zeigen, es würde uns der fröhliche Kampf und das Berauschende der öffentlichen Debatte und unserer Werbung würde der Reiz fehlen. Nun, wir haben die Gegner noch und werden ihnen hoffentlich noch manche Nuß zu knacken geben. Ist aber unsere Agitation tatsächlich eine leichte, so gibt es keine Entschuldigung, wenn wir sie nicht ausüben. Was uns unser Streben als wünschenswert hinstellt, macht uns die Leichtigkeit der Ausführung zur gebieterischen Pflicht. Kämen wir dieser Aufgabe nicht nach, so hätten wir unsere Unfähigkeit bewiesen, auch nur einiges von dem wahr zu machen, was wir uns in großen Worten vorgenommen. Es ergab sich eben, daß es ein Lebensinteresse der Turnerschaft ist, darauf bedacht zu sein, eine Agitation großen Maßstabes zu entfeiten, und es folgert daraus für die Art der Agitation, daß sie von der Turnerschaft und nicht etwa von den Turnvereinen betrieben Werden muß. Der verantwortliche Redakteur quasi der Agitation Wuß immer die jüdische Turnerschaft sein, schon deshalb, weil es •agitatorisch' einen viel größeren Eindruck macht, wenn ein Verband —, als wenn ein Verein auftritt. Die Vereine sind auch mit wenig Ausnahmer garnicht in der Lage, das Material in der Güte beizubringen, wie es zur Agitation nötig ist, denn es muß ein Grundsatz unserer Tätigkeit sein —, daß wir immer nur so gut gerüstet in den Kampf ziehen, daß eine Niederlage einfach unmöglich ist. Zu diesem Zwecke müssen wir ein Bureau schaffen, das fortwährend alles zu sammeln und zu registriren hat, was irgendwie werbend °der aufklärend wirken könnte. — Zeitungsnotizen, systematische oder gelegentliche Statistiken, Bücher und Bücherbesprechungen, Reden und Vorträge usw. usw. Der Idealzustand wäre erreicht, wenn ^uie Zentralstelle vorhanden wäre, von der man permanent all jenes Material haben könnte, das nötig ist, um eine Agitation aktuell wirken lassen zu können und die selbst in regelmäßigen Korrespondenzen das Einschlägige zusammenstellte. Wenn es auch für d»e nächsten Jahre noch ausgeschlossen sein dürfte, daß wir e»ne solche Zentrale erhalten, so muß uns doch die Schaff- Un£ eines Bureaus kleineren Umfanges als ein überaus erstrebenswertes Ziel vor Augen schweben. Aber auch heute schon