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Jüdische Turnzeitung · 1905-05-01 · 5/6 (5.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
5/6 (5.1905)
Date
1905-05-01
Page
[Seite] (sequence 40)
Language
German
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r 106 No. 5/6 einen räumlich weit ausgedehnten Kreis erstreckt. Ihm fehlen alle die Berührungspunkte lokaler, gesellschaftlicher und freundschaftlicher Natur, die die Mitglieder eines Vereines miteinander verknüpfen und sie dem Vereine erhalten; es muß daher die Sorge eines Verbandes sein, diese Berührungspunkte zu schaffen. Er muß versuchen, die Mitglieder (also die Vereine) trotz der Entfernung auch räumlich zusammenzubringen, und das erreicht er eben, wenn er nahe den alten Vereinen neue setzt und nahe den neuen wiederum neue. Läßt er dies außer Acht, so wird ihm kein Programm und keine Organisation die Teilnahme und die Zahl der Mitglieder erhalten, die zu einer gedeihlichen Tätigkeit nötig ist. Und darum muß es die zweite Aufgabe des Tumverbandes sein, neue Vereine zu gründen und sie der Turnerschaft zuzuführen. Aber nicht nur im Hinblick auf das Wohl und Wehe der Turnerschaft tut uns eine ausgedehnte und ausgedachte Agitation not, sondern jene moralischen und jüdisch-ethischen Gründe, die überhaupt unsere Turnbewegung hervorgerufen haben, verlangen aufs dringendste — heute mehr denn je —, daß die jüdische Turnidee endlich die Massen ergreife und sie zu dem umgestalte, was unser Traum und unsere Sehnsucht ist. Wenn es kein leeres Phrasengeklingel sein soll, was wir seit der Gründung des ersten jüdischen Turnvereins gesagt und geschrieben haben, daß wir nämlich eine körperliche Renaissance des Judentums anstreben, um es reif zu machen für jene geistige Wiedergeburt, die miterleben zu können, wir sö froh sind, dann dürfen wir nicht damit zufrieden sein, daß wir ein Dutzend jüdischer Turnvereine und einige tausend jüdischer Turner haben» dann müssen wir bewußt und kraftvoll unter das Volk gehen, dann müssen wir versuchen, zu erreichen, daß unser Streben tatsächlich auch das Volk umspanne. Nichts ist geeigneter, unsere Brüder aus ihrer Lethargie aufzureißen, als unser Ruf, keine Bewegung ist verheißungsvoller, als jene, die Juden zum Bewußtsein ihres körperlichen Wertes emporzubringen. Wie wir sonst auch kommen mögen, sei es mit der wunderbaren und so unendlich trostreichen Verheißung der eigenen Scholle, sei es mit der freundlichen Gabe der kulturellen Förderung, immer wird die Indifferenz und das Miß' trauen größer und immer wird die augenscheinliche Wahrheit der Worte weniger zu erkennen sein, als wenn wir ihnen zurufen: Empor den Nacken, stark den Arm und empor das Volk und stark, der Einzelne! Wir haben es tatsächlich leicht zu agitieren. Wir haben den unschätzbaren Vorteil für uns, daß wir mit realen Werten operieren. Gegnerschaft gegen uns kann eigentlich nicht aufkommen. Nicht etwa nur die Statistiken, sondern die augenscheinlichen Tatsache» sprechen so lebhaft für uns, der Hohn und der Spott, der sich gerade an die körperliche Erscheinung des Juden knüpft, redet eine so eindringliche Sprache, daß niemand ernsthaft etwas dagegen ein* wenden kann, wenn wir verlangen, daß die Juden in ganz anderem Maße als bisher eine rationelle Körperpflege betreiben. Und andere*1'

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