Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 5/6 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5/6 105 Nachmittagssitzung. Beginn um 5 Uhr. Dr. Tuch eröffnet die Sitzung. Nach Verlesung der zahlreich eingelaufenen Begrüßungsschreiben und -Telegramme erteilt Dr. Tuch Herrn J. B e r g e r das Wort zu dem Referat über die äussere Propaganda des Verbandes. Zwiefach sind die Aufgaben der jüdischen Turnerschaft: Zum ersten soll sie die Vereine stärken und stützen, sie soll ihre Organisation bessern und regeln und ihre turnerische Leistungsfähigkeit vergrößern, sie soll die verschiedenen Interessen auf ein Arbeitsfeld vereinigen und sich als schützendes und verknüpfendes Band um die Gesamtheit der Vereine schließen. Das ist eine Arbeit, deren Bedeutung gar nicht überschätzt werden kann. Sie baut den Turnvereinen ein Dach und ein Haus und wir sind nur gerecht, wenn wir feststellen, daß sie uns das Haus schon gebaut hat und daß seine Wände uns manchen Sturm erträglich gemacht haben, der uns sonst vielleicht tödlich geworden wäre. Wir wohnen jetzt zwei Jahre in diesem Hause und wir haben es uns,darin wohnlich gemacht, wie es sich ein armer Hausvater in den ersten zwei Jahren seines jungen Glückes gestatten kann. Es ist ganz natürlich, daß uns, wenn wir uns darin umsehen, noch manche Bequemlichkeit nur deshalb auffällt, weil sie noch fehlt, und es mag auch sein, daß hier und da ein Gelaß nicht praktisch angelegt und ein Haken an der verkehrten Stelle angebracht ist, aber das sind Fehler, die in jedem jungen Haushalt vorkommen und die uns die Freude am eigenen Heim nicht verderben sollen. Und doch überfällt uns nicht selten ein Gefühl der Leere in unserem eigenen Hause, wir fühlen uns einsam darin und es wird uns kalt. Es fehlt uns die behagliche Freude, die die Gesellschaft mit (sich bringt. Wir sitzen in unseren Zimmern einsam und frierend und wenn wir einen Genossen finden wollen, dann Rüssen wir lange wandern und suchen, wir gehen durch viele Räume, "i denen Jcein Mensch drin ist, wir verlieren die Lust am Haus und verlieren die Lust am Zimmer. Wir sehnen uns nach jungem Leben und frohem Zusammensein: achten wir darauf, daß wir nicht verzweifeln, solches je bei uns 211 finden! In der Tat, verlangt schon das allereigenste Interesse der Turnerschaft, daß sie sich bemüht, sich neue Vereine zuzuführen und so >nren Wirkungskreis zu vergrößern und die Möglichkeit ihrer Betätigung zu vermehren. Die besondere Art der Vereinigung von Vereinen schließt für sie die Möglichkeit einer lokalen Tätigkeit fast ganz *us Und gestattet ihnen alle jene Formen der intensiven Betätigung i t vi die die Ar')eit eines Einzelvereins so interessant macht. Das st eben der Unterschied zwischen einem Vereine, der seine Mitglieder n einem Platze zusammen hat und einem Verbände, der sich über