Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 5/6 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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102 So. 5 Ii gut und nützlich ist, wenn die Juden körperlich wieder gekräftigt werden. Unser Begriff des National-Judentums geht weiter, als der der zionistischen Bewegung. Der Zionismus ist eine exklusive Vereinigung. Der Zionismus schließt diejenigen aus, die das Baseler Programm nicht anerkennen. Die Turnvereine schließen aber überhaupt keinen Juden aus. Die Turnvereine sind die Vereinigung sämtlicher Juden, die in der jüdischen Bewegung stehen. Von dem Moment an, wo ein Jude einem jüdischen Turnverein beitritt, von dem Moment an dokumentiert er, daß er gewillt ist, seine jüdische Eigenheit zu kräftigen und zu heben. Man soll doch zufrieden sein, daß heute zum ersten mal wieder seit 2000 Jahren eine Bewegung aufgetaucht ist, die die Gemeinsamkeit aller Juden umschließt, gleichviel welche Stellung sie einnehmen. Der Zionismus verlangt, daß jeder Jude ausdrücklich ein politisches Bekenntnis ablegt, unsere Turnvereine dagegen nehmen alle Juden auf, ohne Rücksicht auf ihr religiöses oder politisches Bekenntnis, und wir sind überzeugt, daß, wenn die Juden unserem Rufe folgen, daß von diesem Moment an wieder ein kräftiges Judenrum existiert. Del. Dr. Werner. Die Stellungnahme zum Zionismus ist wiederholt erörtert worden, und ist es von größtem Interesse, sich darüber klar zu werden — Es ist zweifellos, daß das jüdische Turnwesen seine Entstehung dem Zionismus verdankt; ebenso zweifelhaft ist es, daß das Gefühl, daß wir jemand unsere Gründung verdanken, uns noch nicht verpflichtet, ihm in allem zu folgen. Warum haben sich die national-jüdischen Turnvereine auf dieser Basis gegründet, warum nicht auf zionistischem Standpunkt? Dieser hat ein bestimmtes Programm, das absoluten Gehorsam gegenüber den Bestimmungen desselben verlangt. Wer sich nicht unterordnen kann, kann nicht Mitglied der Partei sein. Wir Jüdisch-Nationale aber wollen das Turnen der Juden zur Hebung des jüdischen Volkes anstreben, wir wollen allen Juden das Turnen ermöglichen; selbstverständlich können wir nicht Rücksicht nehmen auf Parteiprogramme, infolgedessen müssen wir allen Juden, die sich als Juden fühlen, den Zutritt zu unseren Vereinen ermöglichen, weil es heute, nach den Strömungen in der Deutschen Turnerschaftf einem ehrlichen, sich selbst achtendem Juden nicht möglich ist, in einen nicht jüdischen Turnverein einzutreten. Wir müssen deshalb unseren Stammesbrüdern die Gelegenheit geben, in einem Verein zu turnen, wo sie, ohne ihrer Ehre ein Opfer zu bringen, turnen können. Das ist zugleich der springende Punkt, warum in diesen Turnvereinen nicht nur Parte«* zionisten aufgenommen werden, sondern alle Juden. Zionismus ist absolut nicht ein geringerer Begriff als National-Judentum. Dr. Herzl's Zionismus ist nach seiner Auffassung eine Weltanschauung. Der Zionismus ist absolut nicht damit erschöpft, wenn er eine Heimstätte in Palästina gefunden hat. Darum ist auch die Behauptung» Nationaljudentum gehe über den Zionismus hinaus, hinfällig. Del. Hermann erklärt, daß es Pflicht für jedes Mitglied der Turnvereine sei, sich zum National-Judentum zu bekennen. Del. Berger meint, er habe nur sagen wollen, daß, wenn sich heute Jemand einem jüdischen Turnverein anschließe, er selbstverständlich dessen Statut kenne; handle das neue Mitglied dann dem Statut zuwider, so werde es ausgeschlossen. . Del. Dr. J a I o w i c z (Schlußwort). Ich halbe nicht geglaubt, daß der Turntag mit einer Definition des Begriffs „Nationaljudentum" aufhalten wird, da wir doch im Prinzip vollständig einig sind. Es ist gesagt worden, daß die Zionisten exklusiv sind, die Nationaljuden aber nicht. Auch w» haben ein fest umrissenes Programm, dessen Anerkennung wir unbedingt verlangen müssen. Insofern sind wir also auch exklusiv. Wir können Niemanden dazu zwingen, sich auf den national-jüdischen Standpunkt zw stellen, da sich der Begriff Nationaljudentum wissenschaftlich absolut ein* wandsfrei nicht definieren läßt. Daher können wir einen Gegner t,ns?r^f Anschauung nicht ohne weiteres als unehrlich erklären. Im wesentliche» handelt es sich darum, die Lücke, die durch die Wissenschaft zurückgelassen wird, durch national-jüdisches Empfinden auszufüllen.