Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 5/6 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5/6 101 «nur bei unserem Verein der Fall sein wird, sondern auch bei vielen anderen, speziell bei Provinz-Vereinen. Aus diesen praktischen Gründen bin ich dagegen gewesen, daß wir uns der Organisation des Zionismus anschließen. ■ Del. Dr. Mühsam stellt sich als Zionist vor; er bedauert, daß hier die Frage der Stellung unseres Verbandes zum Zionismus überhaupt angeschnitten worden sei und hält es für durchaus untunlich, in bestimmt formulierter Weise hier zum Zionismus Stellung zu nehmen. Del. Berger, Nachdem Herr Dr. Mühsam sich als Zionist vorgestellt hat, gestatte ich mir, mich auch als solchen vorzustellen. Wir müssen uns über die Stellungnahme der Turnerschaft gegenüber dem Zionismus War sein. Wir, die wir an der Spitze der Vereine stehen, und die wir Zionisten sind, haben einen doppelt schweren Stand. Einmal ist es Tatsache, daß ein großer Teil der Mitglieder der Vereine vom Zionismus nichts weiß, andererseits, daß gewöhnlich die eifrigsten Mitglieder der Turnvereine, die besonders in nationaler Hinsicht wirken, Zionisten sind. — Solange wir uns mit Redensarten behelfen, solange kommen wir nicht weiter. Wir müssen uns durchaus darüber klar werden, was Nationaljudentum bedeutet, das uns logisch und moralisch gestattet, zu turnen, ohne "ns, dem Zionismus anzugliedern. Es muß Aufgabe der Turnerschaft sein, m dieser Frage zu einer entschiedenen Stellungnahme zu gelangen, und darum habe ich die Aufstellung des Referates auf die Tagesordnung sehr "egrüßt, wenn ich h^ch mit dem Referat nicht zufrieden sein kann. Ich glaube, daß es einen national-jüdischen Begriff gibt, der von dem Zionismus verschieden ist. Das Wort national und Nation ist ein durchaus zweifelhafter Begriff. Der eine geht dem Stamme des Wortes nach, der andere geht jten modernen, realen Verhältnissen nach und jeder gelangt zu einer anderen j^ründung. Der Zionismus geht von dem Begriff des Volkes aus. Wir reden von einer jüdischen Nation, von einem jüdischen Volke in der Auf- «t?U?^' w'r annehnien, es existiere eine Gemeinschaft von aus Geschichte, Tradition, Blutsverwandtschaft, Abstammung zusammengehöriger ersonen, die in engster Beziehung miteinander stehen, die durch Jahrtausende offenbar gewillt gewesen sind, ihre Zusammengehörigkeit zu bewahren, die heute, wo sie auch sind, sich deutlieh abheben, und wir sind rv" Ansicht, daß dieses Ganze dadurch wach geworden ist, — wie wir der Ansicht sind, daß derjenige Mensch sittlich am höchsten steht, r?™ es gelingt, sein Wesen überall durchzusetzen. So sagen wir, daß es dem juaiscnen Volke solange gut ging, als es imstande war, seine Eigentümlichkeiten zur Geltung zu bringen. — Wenn das jüdische Volk, als es ein Land wLfd' Von vornherein auf den Oedanken verzichtet hätte, sein Land reoer zu bekommen, dann ständen wir heute nicht vor dieser Frage, fceh" l. .ers*re'jen ein Zusammenarbeiten, ein Gefühl der Zusammenvon * und t'as 'st unser weiterer Blick über den Zionismus. Wir reden lud*"1*1 Gemeinschaft, die größer ist als die zionistische, die sämtliche JlÄien Umfaßt: u/ir prl/onnAn rrar lfpinp Hmiiitp an unA itncpr RAQtrAhpn Ofpht dah?n "{"fe^1; w'r erkennen gar keine Grenze an und unser Bestreben geht setzn i? Juden die Merkmale wieder zu verschaffen, die zur Dutchsie J"rer Persönlichkeit von Wert sind und dazu ist es nötig, daß derilnkorPer»ch wieder kräftigen. Der Zionismus ist eine Teilerscheinung Zin1«;1gen Pfühle, denen das jüdische Turnen seine Existenz verdankt. Der "-•UniSmUS igt hl«« WlA l//Mil/»t. 7iis.«iffl.i.«.ecili,n oller Dof.'ihlo rli» hfflltp "-•onismus ist bloß die konkrete Zusammenfassung aller Gefühle, dieheute das jüdische Volk durchwehen, und wir verlangen, daß es sich betätigt. *ch wiederhole also, es muß unser Ziel sein, c&ß wir eine feste positive SteUungnahme gewinnen und diese ist gegeben in der Ausdehnung des De «f'ffs national, die offenbar die Ansicht der Turnvereine von Anfang an ge wesen ist. Wenn heute immer darauf hingewiesen wird, daß Z"»^» Mischen Turnvereine gegründet haben, so Ist das tatsächlich nicht.ehrgPrak- |»ch von den Zionisten gedacht. Es geht doch unmöglich an, daß «ui dem Moment daß seinerzeit Zionisten uns gegründet £ Mnsere Absicht, wir jetzt nur aus Oründen der Dankbarkeit dem "<>™™us verpflichtet sein müssen Es ist eine logische Folgerung, daß es unbedingt