Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 5/6 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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98 No. 5 (1 Del. Margarete Eger, Berlin, Rcsenthalerstr. 44, zum Kassenführer, Del. Dr. Hermann Jalowicz, Charlottenburg, Ooethestr. 19, zum Beisitzer durch Akklamation gewählt. Als zweiter Referent verlas Dr. Hermann Jalowicz nachstehend verzeichnetes Referat über Die Stellung der „Jüdischen Turnerschaft" zum Zionismus. Es ist das unbestreitbare und auch unbestrittene Verdienst des Zionismus, insbesondere des II. Baseler Kongresses, eine planvolle jüdische Turnbewegung ins Leben gerufen zu haben. Zionisten waren fast durchgehend«7 die Gründer unserer Turnvereine und die sorgsamen Bewahrer ihrer jüdisch-nationalen Tendenz. Daher resultiert bei vielen unserer Volksgenossen die Meinung, die „Jüdische Turnerschaft" sei zwar nicht nominell, aber tatsächlich zionistisch. Wäre diese Auffassung richtig, dann könnte man den jüdischen Turnern den Vorwurf abstruser Eigenbrödelei oder gar den der Feigheit nicht ersparen. Denn es hätten sich die jüdischen Turner — ohne eine von der zionistischen abweichenden Tendenz zu besitzen — dann nur den Luxus eines besonderen Namens geleistet oder sich vor dem Wort „Zionismus" gefürchtet. Beide Vorwürfe sind unbegründet Eine kritische Vergleichung der Tendenzen beider Bewegungen wird dies lehren und vor allem gleichzeitig Gelegenheit geben, über die Stellung der „Jüdischen Turnerschaft" zum Zionismus Klarheit zu verbreiten. Das zionistische Programm erstrebt die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk. Wesentlich ist dieser Bewegung das politische Moment. Sie alle wissen, daß ein starkes Nationalbewußtsein die Juden erfüllte, als sie noch ihren alten Heimatsitz innehatten und daß es feurig aufflammte mit dem Verlust des historischen Bodens. Es war ein begeisternde8 Gefühl, das in seinen Aeußerungen ergreifende und erhebende Formen annahm, dichterisch erklärt und veredelt wurde, aber im allgemeinen nicht zu politischen Aktionen führte, sondern unsere Dichtung be» reicherte. Ein Blumengarten von Liedern sproßte aus dem mit dem Schmerz und der Sehnsucht des jüdischen Volkes getränkten Bodeit üppig hervor und hielt das Nationallbewußtsein wach, die wirkende Tat aber blühte spärlich und verblühte bald. Wir finden nur wenig« Männer der Tat seit der Zerstörung Jerusalems, die da fühlten, daö in dieser Welt der harten Tatsachen insbesondere Taten wirken una die danach handelten oder durch die Macht der Dinge gezwunge*1 wurden, zur Tat zu greifen. Die letzte Tat aus der Fülle der Begebenheiten unserer OeschicJ|*e ist die Schöpfung und Organisierung des politischen Zionismus. Kjj" hat Theodor Herzl mit einem Schlage die Judenfrage au9 ihren alte