Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 5/6 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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90 No. 6/0 soll uns keine Fata Morgana vorspiegeln, soll keine Mache sein, keine Phrasen enthalten. Wir haben ja in den letzten Jahren wiederholt zu unserer großen Freude bemerken können, daß in die Tumzeitung ein frischer, lebenskräftiger Zug kam, wenn sich Ereignisse von größerer Tragweite in unserer Bewegung abspielten. Die große Zeitungsfehde, die sich bei Gelegenheit der Gründung der Jüdischen Turnerschaft entspann, der Kampf mit dem Repräsentantenkollegium in Hannover und aus neuester Zeit die durch den Beschluß des deutschen Turnkreises VlHb hervorgerufene Polemik zeigen deutlich, daß, wenn in unsere Bewegung Leben kommt, auch unsere Zeitung lebendig wird. Bringen Sie neues Leben, mehr Leben in die jüdische Turnbewegung, dann werden sich auch die Spalten der Turnzeitung von selbst füllen, dann werden wir nicht verlegen sein, worüber wir schreiben sollen. Dann werden wir nicht die Feder schon müde in die Hand nehmen. Dean Referat folgte eine lebhafte Diskussion. Professor Frankl und Dr. Werner wünschen, daß für die Turnzeitung eine bestimmte Erscheinungszeit festgestellt werde. Dr. Werner regt ferner eine besondere Kennzeichnung der zu dem Verband zählenden Vereine in der Turntafel an, da es sonst so schiene, als ob alle dort aufgezählten Vereine bereits dem Verbände angehörten. Bezüglich der Redaktion des Blattes meint Prof. Frankl, daß neben dem allmonatlichen Leitartikel und den allgemein-turnerischen Notizen vor allem regelmäßige Berichte der Einzelvereine gebracht werden müßten. Es müsse den Vereinen zur Pflicht gemacht werden, allmonatlich für jede Nummer einen Bericht über ihr Tun und Treiben im verflossenen Monat einzusenden. Diesem Vorschlag stimmt insbesondere Dr. Moses lebhaft zu, indem er ausführt, daß das Hauptgewicht auf die Veröffentlichung von Personalnotizen, Festlichkeitsbericnten u. ä. zu legen sei, weil durch derlei Mitteilungen das Interesse des großen Publikums an der Turnzeitung erst richtig wach gerufen würde. Hiergegen erhob sich von fast allen Seiten Widerspruch. Man betonte und war sich fast einstimmig darin einig, daß das Niveau der Turnzeitung durch die vermehrte Aufnahme von belanglosen Vereinsnachrichten erheblich sinken würde und daß man überhaupt nicht danach zu streben habe, das Blatt dem Geschmack der großen Masse anzupassen. Die Redaktion sei vielmehr derart zu handhaben, daß die Zeitschrift ernsten und urteilsfähigen Personen lesenswert erscheine. Sodann wird auf Antrag von Dr. Zirker die Diskussion über die künftig* finanzielle Gestaltung der Jüdischen Turnzeitung in nicht öffentlicher Sitzung fortgesetzt, i Dr. Werner-Professor Frankl beantragen am Schluß der Vormittagssitzung nachfolgendes Telegramm an das zionistische Aktionskomite in Wien abzusenden: „Der II. Jüdische Turntag entbietet dem zionistischen AktionSkomite als Vertreter jener Idee, der die „Jüdische Turnerschaft ihre erste Anregung und dauernde Unterstützung verdankt, den herzlichsten jüdischen Turnergruß." Der Antrag wird einstimmig angenommen. Schluß der Vormittagssitzung gegen 2 Uhr. Nachmittagssitzung. (Beginn: 4»/* Uhr). Dr. Tuch eröffnet die Sitzung und begrüßt den als Oast anwesenden Turnwart des Neuen Posener Turnvereins, Herrn Mendelssohn.