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Jüdische Turnzeitung · 1905-05-01 · 5/6 (5.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
5/6 (5.1905)
Date
1905-05-01
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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No. 5/6 89 Wir wollen nicht einem kleinen Kreise von Interessenten neue Theorien vorführen, während unterdessen die großen Massen der Juden in ihrer alten Lethargie verbleiben, sondern wir wollen möglichst viele heranziehen für die Arbeit an unseren Bestrebungen. Freilich, eine propagandistische Tätigkeit setzt voraus, daß man weiß, wofür man Propaganda machen will und daraus wieder ergibt sich, daß wir ein Programm haben müssen. Daraus folgt aber weiter, daß wir genötigt sind, den wissenschaftlichen Wert unseres Programms täglich von neuem zu prüfen, und insofern kann man sagen, daß auch die Turnzeitung wissenschaftlichen Zwecken dient. Aber das ist eine sozusagen selbstverständliche Funktion, die sie verrichtet, die sich nicht bei jeder Gelegenheit dem Leser aufzudrängen braucht, während die propagandistische Tendenz aus jedem Hefte von neuem hervorgehen soll. Wenn wir also auch das Stoffgebiet, das wir zu bearbeiten haben, genau kennen, so müssen wir doch sagen, daß bisher selbst dieses uns bekannte Gebiet zum Teil noch unbearbeitet geblieben ist. Wir haben vielleicht für Deutschland und Oesterreich das, was man in der kurzen Zeit tun konnte, getan, aber wir haben nicht berücksichtigt, daß man im Osten von unserem Organe so gut wie nichts weiß, und daß auch wir unsererseits vom Osten nur Allgemeinheiten kennen. Es ist gewiß schwer, mit unserem Organ im Osten Propaganda zu machen. Aber vielleicht ist der Weg gangbar, daß man sich mit den großen russisch-jüdischen Blättern in Verbindung setzt und sie bittet, die in unserem Blatte erschienenen Aufsätze bei sich zum Abdruck zu bringen, etwa so, wie es neuerdings von der in Lemberg erscheinenden Zeitschrift „Moriah" geschieht, die von dem rührigen Vorsitzenden des Lemberger Turnvereins regelmäßige Excerpten aus unserem Blatte erhält. Aber nicht bloß der Osten, auch England, auch Amerika ist uns bisher noch verschlossen geblieben. Wie anders ließe sich die Tatsache erklären, daß wir erst einem uns kürzlich aus Newyork zugegangenen Privatbriefe von dem Vorhandensein von Vereinigungen zur körperlichen Hebung der Juden erfahren mußten. Freilich die Jewish Lads Brigades sind in unserer Zeitung häufig besprochen worden und die Fühlungnahme, die zwischen den jüdischen Turnvereinen und diesen englischen "Jugendwehren geschaffen wurde, ist lediglich der Redaktion der Jüdischen Turnzeitung zu verdanken. Im letzten Hefte der Turnzeitung hören wir auch einiges aus Woodbine in New-Jersey, nachdem wir einige ganz kurze Notizen in früheren Jahren in jüdischen Blättern über die Körperpflege in dieser jüdischen Kolonie gelesen hatten. Aber das sind nur kleine Ansätze, die noch einer Fortentwicklung harren. Das wäre wohl eine Arbeit der kommenden Redaktion, fbenso wie auch die Fühlungnahme mit den in Palästina lebenden Juden, von denen sich einige für unsere Bestrebungen interessieren. Immer aber wird auch für uns der alte Satz gelten müssen, daß nur Leben neues Leben erzeugen kann. Unsere Jüdische Turnzeitung

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