Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 5/6 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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88 No. 5 Ii Die Jüdische Turnzeitung ist niemals ein Geschäftsblatt gewesen und soll es auch, das ist wohl unser aller Wunsch, niemals werden. Wir müssen uns mit der alten Tatsache trösten, daß Unternehmungen, die, wie unsere Zeitung1, auf rein idealer Grundlage aufgebaut sind, niemals große Geschäfte machen. Heute wie früher sind es die jüdischen Turnvereine, ist es die Jüdische Tumerschaft, die das Risiko trägt. Und wenn dieses Risiko kein großes ist, wenn sich trotz allem die Administration der Turnzeitung leidlich durchgeschlagen hat, so ist auch dies wiederum auf unser eigenes Konto zu setzen. Wir haben zwar auf unseren Heften den Namen fremder Verleger prangen, aber diese sind im Innenverhältnis nichts weiter als unsere mit der Geschäftsführung Beauftragten, also Leute, die an uns verdienen. Nur einmal, vor Gründung des Verbandes, hatten wir Aussicht, das Risiko auf die Schultern eines Geschäftsmannes abwälzen zu können, aber leider war das damals geschlossene Vertragsverhältnis nur von kurzer Dauer: nachdem wir eine Nummer unentgeltlich geliefert erhalten hatten, mußte es unser „Verleger" vorziehen, seinen Wohnsitz „übern großen Teich" zu verlegen. — Es erscheint aber auch für die Zukunft unratsam, den Verlag unseres Blattes ganz aus den Händen zu geben, weil wir dann unser Verfügungsrecht über die Redaktion und auch über die Art der Geschäftsgebahrung verlieren würden. Wir können doch unmöglich den Inseratenteil unseres Blattes zu Fleischmarkts- und ähnlichen Ankündigungen hergeben. Immerhin wird man sich umsehen müssen, das Technisch-geschäftliche einem Fachmann zu übertragen. Denn wir dürfen uns nicht in derartigen Arbeiten aufbrauchen. Was den geschäftlichen Stand der Zeitung im einzelnen anlangt, so hat sich mit der vermehrten Auflage, die jetzt zwischen 1500 und 2500 Heften schwankt, insbesondere der Kreis unserer Inserenten sehr vergrößert. Auf diesem Gebiete ist noch viel zu erreichen. Die Turnzeitung hat einen Jahresetat von ca. 1500 Mark, von denen etwa 800 durch den Zuschuß des Verbandes, der Rest aus Einnahmen durch Inserate und Einzelabonnements gedeckt wird. Die Finanzen haben sich von Jahr zu Jahr relativ gehoben, sind nur im letzten halben Jahre etwas zurückgegangen. In Bezug auf die redaktionelle Gestaltung unseres Blattes gebe ich zu, daß es eine Leichtigkeit wäre, ein neues, großes, weit schauendes Programm aufzustellen, aber wir wollen uns hier nicht mit theoretischen Erörterungen abgeben, wir wollen versuchen, durch unsere Aussprache neue Anregungen zu gewinnen', die ich schon im Januarheft 1903 aufgestellt hatte auch für uns heute noch maßgebend sind. Die Jüdische Turnzeitung kann unmöglich ein nur wissenschaftlichen Zwecken dienendes Blatt sein. Man kann nicht von ihr verlangen, daß sie neue welterschütternde Wahrheiten über die physische Lage der Juden bringt und in turnerischer Hinsicht uns mit überraschend-neuen Methoden kommt. Verlangen kann man das nicht, denn der Hauptzweck des Blattes ist ein propagandistischer.