Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 5/6 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4921092-5965098-5965224--1297-4924161- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
84 Xo. 5/6 sammengefunden hatten, und erörterte sodann die auf dem Turntag in Basel wesentlich auf Grund seines damaligen Referates festgestellten Gesichtspunkte, nach welchen der Verband in Zukunft turnerisch arbeiten sollte. Diese Gesichtspunkte hat der Ausschuß versucht in Geltung zu bringen und durchzusetzen, was ihm allerdings nur teilweise, und auch das nur mit schlechtem Erfolg gelungen sei. Die erste Veranstaltung sei die Frage der Beschaffung von Riegenbüchern gewesen. Von den angeschafften 200 Riegenbüchern seien bis heute nur 59 von den Verbandsvereinen abgenommen worden, eine verhältnismäßig sehr geringe Zahl, die einen Beweis dafür liefere, daß diese Einrichtung noch nicht überall zur Durchführung1 gelangt sei. Eine weitere Veranstaltung bilde die leider mißglückte Pfingstturnfahrt nach dem Riesengebirge, zu der sich nur eine sehr geringe Anzahl von Teilnehmern, ausschließlich Mitgliedern des „Bar Kochba", eingefunden hätten. Auch der im wesentlichen auf Anregung der Baseler Herren beschlossene Kursus zur Ausbildung von Turnleitern sei nicht geglückt. Dagegen sind wiederholt Anforderungen um turnerische Unterstützung an den Verbandsturnwart ergangen. So habe er dem Turnverein in Mährisch-Ostrau ein gesamtes Schauturnen für sämtliche Abteilungen ausgearbeitet, das sehr zur Zufriedenheit ausgefallen ist. Ferner ist vielfach die Anregung, turnerisches Material zu liefern, an ihn ergangen, und zwar Vorturneranleitungen, Vorschriften für Turnkleidung und ähnliche Dinge. Auch dem ist immer entsprochen worden, so daß der Verband durch diese Tätigkeit wenigstens einigermaßen den Verbandsvereinen Vorteil gebracht habe. Scholem weist ferner darauf hin, daß die Turnzeitung, die gerade in turnerischer Beziehung die Zentrale der Turnbestrebungen der Verbandsvereine sein sollte, verhältnismäßig recht schwach benutzt worden sei. Turnerische Dinge selbst sind wenig darin enthalten, es waren zumeist andere Artikel. Es sei dies leider ein Zeichen dafür, daß die turnerischen Bestrebungen nicht richtig zur Geltung kommen, wie es eigentlich sein müßte und wie es bei anderen Verbänden ist. Turnerische Anregungen sind unte von außerhalb gaf" nicht zugegangen. Was den Betrieb in den jüdischen Turnvereinen anlangt, so waren bei Gründung des Verbandes 10 Vereine mit 986 Mitgliedern in Männer- und Frauenabteilungen, heute 14 Vereine mit 1128 Mitgliedern angeschlossen. Der Innenbetrieb ist vielfach Wechselfällen unterwarfen, von denen gerade die kleineren Turnvereine sich nur schwer retten können. Auch ist es die wesentlichste Aufgabe des Verbandes, vielleicht die allererste, hier einzugreifen, neue Gesichtspunkte aufzustellen, wie dem Mangel an Turnleitern abgeholfen werden kann Es müsse mehr als bisher auf die Pflege des turnerischen Lebens geachtet werden. Erst wenn es gelingt, dies in richtiger Weise durchzuführen, dann werden auch die Vorteile nicht ausbleiben, dann wird die Bahn, die wir bisher beschritten haben, aufwärts und vorwärts führen.