Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 5/6 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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So. ."> C man den Beschluß faßte, den Verein zur Auflösung zu bringen. Den auswärtigen Delegierten ist es vielleicht nicht so verständlich, wie überhaupt derartige jüdische Vereine mit nicht national-jüdischer Tendenz in Deutschland bestehen können, und doch sind es nicht selten gerade Zionisten, welche sich für die Gründung solcher Vereine aussprechen, und zwar ausschließlich aus praktischen Gründen. Es ist dies auch meiner Ansicht nach unter Umständen durchaus berechtigt. Häufig wird es möglich sein, derartige Vereine später in national-jüdische umzuwandeln und so unser Ziel zu erreichen, was wir nicht vermöchten, wenn wir, um die national-jüdische Tendenz überall zu wahren, mit einer sehr geringen Anzahl von Mitgliedern anfangen würden, die vielleicht nie imstande sein werden, einen stattlichen Verein zu bilden. Dies ist jedoch, wie ich ausdrücklich hervorheben will, meine persönliche Ansicht, nicht die Ansicht der übrigen Ausschußmitglieder. Trotz dieser verschiedenen Ansichten über eventuelle Gründung nicht national-jüdischer Turnvereine, war sich im vorliegenden Falle der Ausschuß durchaus einig, daß es unsere Pflicht sei, für den jüdischen Turnverein in Hannover einzutreten. Wir haben das unbegründete und unbesonnene Verhalten der Repräsentanten-Versammlung gegeißelt und dadurch bewirkt, daß der dort gefaßte Beschluß nicht zur Ausführung gelangt ist. Ich glaube, daß es gerade durch dieses unser Auftreten erreicht wurde, daß der Hannoversche Verein sich unserm Standpunkt wesentlich genähert hat, so daß wohl in nicht allzu ferner Zeit der Turnverein so weit sein wird, sich unserer Turnerschaft anzuschließen. Besondere Erwähnung verdient eine Propagandareise, die Herr Dr. Zirker nach dem Westen Deutschlands unternahm und die unseres Erachtens außerordentlich günstige Erfolge gezeitigt hat. Herr Dr. Zirker sprach in Kaiserslautern, Aachen und Köln, er hat Beziehungen angeknüpft in Freiburg, Mannheim, Frankfurt a. M. und Karlsruhe. Der schönste und größte Erfolg ist derjenige in Köln gewesen, wo sich eine große Versammlung zusammengefunden hatte, die sich nach dem Vortrag spontan für unsere Idee erklärte. In der Diskussion, die sich daran anschloß, sind «freilich nicht nur Bedenken, sondern auch erhebliche Angriffe gegen uns erhoben worden, und merkwürdigerweise — oder soll man sagen: natürlich? — gerade von einem Juden. Nachträglich wurde ein Bericht über den Zirker'schen Vortrag in arger Entstellung in deutsche Blätter übernommen. Wir haben daraufhin eine Entgegnung erlassen. Trotzdem hat derselbe Kölner Herr wiederholt auch später unsere national-jüdische Turnbewegung als eine der Deutschen Turnerschaft feindlich gesinnte darzustellen und sie. als eine minderwertige Erscheinung zu verunglimpfen gesucht. Wir können derartigen Angriffen entgegensehen, ja, wir sind sogar erfreut, daß uns auf diese Weise Anlaß geboten wird, immer mehr und mehr vor der breiten Öffentlichkeit unseren Standpunkt zu vertreten. Besonders wertvoll ist es für uns gewesen, daß Dr. Zirker In Karlsruhe Beziehungen mit Herrn Hofrat Maul, dem Ehren-Vorsitzen-