Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 5/6 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/4921092-5965098-5965224--1292-4924156- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Xo. 5/6 anzuführen, was unsere Freude dämpfen und auf den Ernst der Situation hinweisen wird. Diejenigen, die seit Bestehen der Turnerschaft und schon vor ihrer Gründung an unserer Arbeit teilgenommen haben, wissen, von welcher Bedeutung für unsere Bewegung der Tag gewesen ist, an dem es uns vergönnt war, vor dem größten jüdischen Forum der Welt, dem Zionisten-Kongreß, unser Schauturnen zu veranstalten. Nie werden die unter uns, welche das Glück hatten, jenem erhebenden Tage beizuwohnen, dieses Tages vergessen. Sie werden sich aber auch erinnern, wie bei jener Gelegenheit der unvergeßliche Führer der zionistischen Bewegung, Herr Dr. Herzl, gerade unserer Bewegung seine volle Würdigung und Anerkennung gezollt hat, in welch' vornehmer und wahrhaft jüdischer Weise er uns entgegengekommen ist, und wie er alle Hindernisse, die bergehoch ums damals entgegenstanden, aus dem Wege geräumt hat, so daß es uns möglich war, kraftgestählte und elastische jüdische Jünglinge in turnerischem Wettkampfe vor die staunenden Augen der fast vollzählig erschienenen Abgeordneten des jüdischen Volkes zu führen. So hat der Schöpfer unserer jüdischen Turnbewegung auch noch als Präsident des letzten, von ihm geleiteten Zianisten- Kongresses trotz der fast erdrückenden Arbeitslast Zeit gefunden, unserer Sache mit liebevoller Sorge helfend zur Seite zu stehen. Niemals werden wir des herrlichen Mannes vergessen. Ich bitte Sie, zur Ehre und zum Andenken an den großen Toten sich von Ihren Plätzen zu erheben. (Es geschieht.) Meine werten Anwesenden! Diese ernsten Erinnerungen, die uns im Augenblicke erfüllen, müssen ergänzt werden durch den Hinweis auf das traurige Verhängnis, das augenblicklich auf einem großen 'eil unseres jüdischen Volkes lastet. Wir können, so meine ich, Unseren jüdischen Turntag nicht eröffnen, ohne derer zu gedenken, die gerade jetzt in unseren Tagen, unter den schlimmsten Befürchtungen leben und die für die allernächsten Tage Entsetzliches besorgen. n Rußland stehen augenblicklich tausende und aber- «usende von Juden vor den größten Gefahren. Wir als jüdische Turner sind bestrebt, gerade im Osten neue Turnvereine zu gründen, gerade dorthin die jüdische Turnbewegung zu tragen, um den Körper sowohl wie das innere Selbstbewußtsein unserer östlichen Stammesbrüder zu heben und zu kräftigen, damit nicht wieder ähnliche Vorfälle eintreten, wie in Kischineff, als die Juden durch die Ere'gnisse derartig überrascht wurden, daß sie sich nicht zu wehren vermochten, wie sie es hätten tun können, wenn sie als Turner ausgebildet gewesen wären. Wir wollen heute den Schwur erneuern, den y»r alle geleistet haben, als wir die jüdische Turnerschaft schufen, immer dafür einzutreten, daß das jüdische Volk nach Möglichkeit gekräftigt werde, auf daß nicht mehr so unendlich traurige und zugleich aemütigende Vorgänge sich wiederholen, wie sie leider in der Zer- Phttcrung nur gar zu oft sich ereignet haben. 'ch will die eigentliche Arbeit, die wir zu erledigen haben, und