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Jüdische Turnzeitung · 1905-05-01 · 5/6 (5.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
5/6 (5.1905)
Date
1905-05-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Und so mancher, der die bisherigen Leistungen des Verbandes mit dem, was wir uns von ihm bei seiner Gründung versprochen hatten, verglich, mochte wohl befürchten, der zweite Turntag würde unfruchtbare Debatten ohne größeren praktischen Erfolg zeitigen. Heute fühlen wir uns in froher Festesstimmung, wenn wir unserer Zusammenkunft gedenken: unsere Zuversicht auf eine große Zukunft der jüdischen Turnsache ist ebenso wie unsere Arbeitsfreudigkeit durch den herrlichen Verlauf der Tagung mächtig emporgeschnellt. Der zweite Jüdische Turntag bedeutet, das darf schon jetzt gesagt werden, einen Wendepunkt in der Geschichte der jüdischen Tiirnbewegung. Das Präludium der Turntagsverhandlungen bildete ein vom Jüdischen Turnverein „Bar Kochba" zu Ehren der Delegierten veranstaltete]- Begrüßungsabend und zwar in Form eines Palästinawein - Kommerses. Wie anheimelnd für das Empfinden aufrechter national-jüdischer Turner! Blinkender Wein aus dem Lande der Väter, in rüstiger körperlicher Arbeit von jüdischen Bauern gepflanzt und gekeltert! An Jangen Tischreihen sitzend, trinken jüdische Turner und Turnerinnen, wohl fünfhundert an der Zahl, in froher Festesstimmung Wein von Jeruschalajim! Den ernstgehaltenen Begrüßungsworten des Vorsitzenden des „Bar Kochba", Dr. Hans Mühsam, folgte Rede und Gegenrede, Gesänge wechselten mit turnerischen Vorführungen und gehaltvollen Deklamationen ab. Stunde um Stunde verrann in heiterer zwietpraChf und traulichem Beisammensein. Herbeigeeilt war mancher unserer lieben alten Freunde zu unserm Feste aus weiter Ferne: Rechtsanwalt Wunderlich aus Oppeln, ein alter treuer Barkochbaner, die beliebte frühere Turnlehrerin des „Bar Kochba" Frau Dr. Kahn, geb. Schoyer aus London mit ihrem Gatten, unser lieber Freund Ingenieur Soldin aus Hamburg, Rechtsanwalt Dr. Löwenstein aus Aachen und so viele andere, manche im bunten Soldatenrock. Von den Gönnern unserer Sache durften wir Professor Warburg, Dr. Klee, Dr. Soskin, Direktor Hildesheimer, Bankier J. Freymark, Dr. Zlocisti und andere bekannte Persönlichst'ttn aus der jüdischen Bewegung begrüßen. Es war ein schönes rest, dem auch durch das Mißlingen der spannungsvoll erwarteten Lichtbilder kein besonderer Abbruch getan wurde. Im Gegenteil: °er Frohsinn, den der Wein allmählich ausgelöst hatte, steigerte sich n°ch, und man schied in einer Stimmung, in der man nicht nur gebogen, sondern auch betätigt hatte die schönen Worte unseres 'urnerliedes: „Wohlan, laßt das Sinnen und Sorgen!"

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