Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 6 (1905)
- Issue
- 5/6 (5.1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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76 No. 5/6 rühmlich angerechnet werden, daß er die Erörterung dieser Dinge nicht gescheut hat, und daß er ein für allemal die jüdische Turnerschaft auf eine Plattform gestellt hat, so festgefügt, daß sie die Juden alle tragen kann, so breit, daß jeder bewußte Jude darauf Platz findet und doch so hoch, daß sie nicht in der Menge verschwindet, sondern hinausragt: eine Zufluchtsstätte und ein Hoffnungsmal. Das war der hohe, grundlegende Gedanke, der der ganzen Tagung die Prägung gab: daß die jüdische Turnerschaft geschaffen sein soll, alles in sich zu vereinigen, das an ein Judentum glaubt, das an ein jüdisches Volk glaubt und an eine positive jüdische Aufgabe, die es zu erfüllen habe. Das ist die einzige Voraussetzung, die die Turnerschaft verlangt und das einzige Dogma, das sie aufstellt: das jüdische Bewußtsein, das jüdische Volk. Und darum ist uns willkommen und darum muß zu uns kommen, wer immer für lebendiges Judentum arbeitet: sei es der Mann der Bodenkultur, sei es der Anhänger des Kolonisationsvereins, der Liebhaber der jüdischen Wissenschaft ebenso und ebenso selbstverständlich wie der Zionist, der letztere aber ganz besonders. Denn muß jeder Freund des Judentums das Turnen der Juden nach Kräften unterstützen, weil es die Juden stark macht, und die jüdische Turnerschaft hochhalten, weil sie die jüdischen Turner charaktervoll macht, der Zionist hat das Material, das wir erzielen, ganz besonders nötig. Was er braucht, die Stärke der Muskeln und die Stärke des jüdischen Bewußtseins, wir sind die, die sie schaffen. Er soll sich die jungen Leute nur rechtzeitig und recht oft holen kommen; daß wir sie ihm bringen, kann er nicht verlangen. Denn wir kennen weder Politik noch Partei, wir kennen nur das große, gemeinsame Judentum, dem mit ganzem Vermögen zu dienen unsere heiße Sehnsucht ist. Es war ein schöner Anblick, zu sehen, wie dieser Gedanke gemeinsamer Arbeit zu gemeinsamem Ziele, unbehindert durch Rücksichten der Partei und nicht eingeschränkt durch Forderungen der Tendenz, diese jungen Juden von der Donau bis zum Rhein auf dein Turntage zusammenführte. Das waren lauter junge Menschen, die mitten im Beruf drin stehen, nur die wenigsten nicht irgendwie aß' hängig, aber alle einig in dem ernsten, heiligen Wollen, was ihnen das Leben an Kraft und Zeit übrig läßt, zum Dienste zu bringen einem Alljudentum jüdischster Tendenz. Was an Trennendem vorhanden war, verschwand vor diesem Streben. Und wer noch nicht an das neue Judentum glauben wollte, an sein Leben und Schaffen, wer diese Gemeinschaft junger Kraft beisammen sah, eine Arbeit und ein Ziel, eine jüdische Arbeit und ein jüdisches Ziel, der konnte nicht mehr zweifeln: diese Jugend war Jugend des Judentums und ihre Zukunft war die Zukunft des Judentums — — — Wir haben, als die Einberufung des 2. Jüdischen Turntages bevorstand, in eindringlichen Worten dargelegt, wie viel Arbeit unser harrt, ja, wie gerade diese Turntagsverhandlungen für die fernere Entwrckelung unserer Sache von ausschlaggebender Bedeutung seien.